Playful

Last weeks I worked with very raw materials: petrified earth, field stones, stones that have crumbled into earth, gravel and lots of beton. We built a floor in a part of an old cave, about 28 square meters. We chopped out a lot of earth and stones (because over the years, some of what was stored on the ground dissolved into some kind of soil), transported most of it into our garden as a foundation for a new vegetable bed, levelled the ground with gravel and concreted the ground.
I have to submit I like working with concrete, as I do with sand and lime and since a few weeks, bitumen.
Although these are very sturdy and rough materials, they can be a very smooth when perfectly mixed and manipulated.
After the hard floor building work I still wanted to continue experimenting how I can use them on canvas. This time I played around with bitumen again. It resulted in something I have no title for. No planning, no thinking, I just forgot myself but giving something of myself into this painting: my memories, feelings, my sense of things, life and dreams. Something stirred within me which needed to come out.
Find yourself a title, a meaning, like it or not ­čśë


Unanticipated Situation

A beginning cold on the first cool weekend after the summer forced me to rest and so I did almost nothing but read and think. I was shocked how fast this year has already progressed, in the midst of all the work I hardly noticed that now summer is coming to an end.

The restrictions associated with the pandemic have not really threatened my habits so far. At the beginning of the very strict curfew, I took it more as a sign to (finally) finish all construction sites and projects one after the other, especially the restoration of a house. And I enjoyed the peace and silence in the village and how the nature that has visibly reclaimed its territory.

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China ist anders

So langsam fangen wir ja an mit Reisen, diesmal nun also China. Ausl├Âser f├╝r die Reise war die Cloud Conference von Alibaba, hinzu kamen ein paar andere gesch├Ąftliche Treffen und so haben wir eine Reise drumherum gestrickt. Je mehr ich nachgelesen habe, desto mehr Ziele kamen auf unsere Reiseliste und am Ende haben wir uns dann entschieden f├╝r vier Wochen durch einen kleinen Teil dieses Landes zu reisen. Als Kostprobe, sozusagen.

Vor vielen Jahren habe ich mal auf einer Konferenz jemanden getroffen, der gerade aus China zur├╝ckkam. Ich fragte ihn, wie das denn dort sei und er antwortete: China ist ganz anders als wir uns das hier vorstellen.
Wieder zu Hause habe ich allen, die gefragt haben, eine sehr ├Ąhnliche Antwort gegeben. China ist ganz anders, als es uns hier oft beschrieben und dargestellt wird. Nat├╝rlich habe ich nur einen klitzekleinen Ausschnitt des Landes gesehen, habe, ob der Sprachbarrieren, nur mit einer Handvoll Einheimischer reden k├Ânnen, aber diese Reise hat mein Bild von China doch sehr ver├Ąndert.
Was mich am meisten ├╝berrascht hat: es ist fast alles neu, sehr modern, sehr gut organisiert, irgendwie funktioniert alles mit sehr viel Harmonie.

├ťberall, selbst in den Bergen, hat man 4G Internet, niemals steht man l├Ąnger (und schon gar nicht allein) an einer Bushaltestelle, die Busse (elektrisch!) fahren oft abh├Ąngig vom Bedarf auch zus├Ątzlich zum Fahrplan. Die Bahnh├Âfe sind wie Flugh├Ąfen organisiert, die sehr komfortablen Z├╝ge fahren auf die Sekunde p├╝nktlich los und kommen ebenso p├╝nktlich an, selbst wenn man 1400 km unterwegs ist.

Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit, allerdings nicht besonders r├╝cksichtsvoll wenn es darum geht einen guten Platz auf der Aussichtsplattform zu bekommen. Da gibt es ein Schieben und Dr├Ąngeln und wenn man da als h├Âflicher Europ├Ąer nachgibt, kommt man niemals nach vorn. Aber ein solches Verhalten ist wahrscheinlich normal, wenn man bedenkt wieviele Menschen dort leben.

Wir kamen mitten in den Vorbereitungen zum 70. Jahrestag der Gr├╝ndung der Volksrepublik China in Peking an. Unser Hotel war in der N├Ąhe der Verbotenen Stadt. Viele Stra├čen waren schon abgesperrt f├╝r die Feierlichkeiten und man mu├čte Sicherheitskontrollen passieren, um zum Tiananmen Platz zu kommen. Es wurde uns gar empfohlen, das Hotel eine Nacht eher zu verlassen und etwas au├čerhalb des Zentrums zu buchen, weil die Stra├če davor f├╝r die ├ťbungen der Parade gesperrt war. Aber hey, alles war super freundlich und die Menschen schienen v├Âllig aus dem H├Ąuschen und stolz auf ihr Land zu sein. Die haben aber auch eine eindrucksvolle Entwicklung in den letzten 30 Jahren hingelegt!
Ich habe, ehrlich gesagt, viel mehr Propaganda Poster erwartet. Den in westlichen Medien beschriebene Personenkult um den Staatspr├Ąsidenten Xi Jinping habe ich nicht wahrgenommen, ich hab nirgendwo Bilder von ihm gesehen. M├Âglicherweise h├Ąngen die in Regierungs- und Parteigeb├Ąuden, aber eben nicht an jeder Ecke. Das kenne ich aus der DDR noch ganz anders.

Und ├╝berhaupt, ich hab Schwierigkeiten diesem Land den Stempel des Kommunismus aufzudr├╝cken. Was ich gesehen habe ist eher ein zentral gelenkter Kapitalismus mit sehr sozialer Auspr├Ągung. Die Chinesen selbst bezeichnen ihr Staatssystem als demokratischen Zentralismus. Das Grundanliegen, welches immer wieder betont wird, ist, dass es allen Menschen des Landes besser gehen soll. Es lohnt sich f├╝r ein besseres Verst├Ąndnis, die Verfassung der Volksrepublik China zu lesen.
Die Menschen reden auch davon, dass sie nur gemeinsam ihr Land aufbauen k├Ânnen, dass es gut f├╝r alle sein soll, dass die, die viel Geld verdienen, etwas an die Gesellschaft zur├╝ckgeben m├╝ssen. Das westliche Gesellschaftssystem scheint vielen nicht geeignet bzw. nicht erstrebenswert zu sein.

Ich fragte nach dem Social Point System und h├Ârte durchweg positive Zustimmung. Schlie├člich m├╝ssen die Menschen aufeinander achten und sich gut zueinander verhalten. Jemand sagt mir, dass es die ├ťbertragung des Criminal Records (├Ąhnlich einem polizeilichen F├╝hrungszeugnis) in ein Punktesystem ist.
Ich fragte auch danach, wie es sich anf├╝hlt, dass ├╝berall Kameras sind, die jeden deiner Schritte aufzeichnen. Die verbl├╝ffende Antwort war: in China gab es noch nie Privatsph├Ąre. Und die Kameras helfen, Missst├Ąnde und Vergehen aufzuzeigen bzw. vorzubeugen.
Momentan scheinen die Menschen dort kein Problem mit der digitalen Erfassung zu haben, weil sie wohl mehrheitlich nicht gegen sie, sondern f├╝r ihr Wohlergehen genutzt wird.

Jedenfalls klingt das f├╝r mich alles irgendwie zu sch├Ân um zu funktionieren, ich wei├č nicht, ob und wie die das hinkriegen und ob da unter der Teerdecke etwas brodelt.
Ich frag mich auch, ob man so ein Riesenland nicht nur zentral regieren kann. Andererseits, es gibt so viele Experimente wirtschaftlicher und sozialer Art in verschiedenen Regionen das Landes, da gibt es mit Sicherheit auch jede Menge hei├če Diskussionen ├╝ber Richtungsentscheidungen, die letztlich nur im Konsens mit Wirtschaft, Partei und Regierung getroffen werden, sonst w├Ąre das Land nicht so erfolgreich.
Jedenfalls hat das, was ich dort gesehen habe nicht viel zu tun mit dem was in der westlichen Presse ├╝ber China geschrieben wird.

Letzte Station unserer Reise war Hongkong. Und dort lernte ich etwas ├╝ber Propaganda. Wir kamen am Vorabend des Nationalfeiertags an und wurden denn auch im Hotel gleich darauf hingewiesen, dass am Folgetag mit Demonstrationen und Ausschreitungen zu rechnen sei. Unser Hotel befand sich im Zentrum der Demonstration und es wurde uns empfohlen, entweder am sp├Ąten Vormittag das Hotel zu verlassen und erst nach Mitternacht zur├╝ckzukehren kommen, oder aber am Nachmittag im Hotel zu bleiben.
Wir wollten nat├╝rlich etwas von Hongkong sehen und verlie├čen unser Hotel am Vormittag. Ich hatte eine leichte Magenverstimmung und f├╝hlte mich nicht fit genug um bis Mitternacht herumzulaufen. Deshalb entschlossen wir uns am fr├╝hen Nachmittag dann doch wieder ins Hotel zur├╝ckzukehren. Die Demonstration, die ├╝brigens nicht genehmigt war, hatte bereits begonnen. Ab und zu waren Sprechch├Âre zu h├Âren, aber ansonsten sah alles sehr friedlich aus. Wir sind auch ohne Probleme ins Hotel gekommen, waren jedoch schon ein wenig aufgeregt. Durch die Lage des Hotels hatten wir sozusagen einen Logenplatz.
Wir konnten den Demonstrationszug sehr gut von oben sehen. Einige Demonstranten trugen amerikanische Flaggen, das hat uns ein wenig irritiert. Aber die Demo war friedlich und keineswegs spektakul├Ąr. Aber dann sah ich, wie sich auf der gegen├╝berliegenden Seite eine Gruppe Jugendlicher bereit machte: sie zogen sich um, maskierten sich, setzten Helme auf und gruben Pflastersteine aus. Die Steine wurden in Kartons gepackt und an der Stra├če verteilt, ebenso die Lieferung mit Molotowcocktails, die wohl von einer anderen Gruppe vorbereitet worden waren.
Als die Demo zu Ende war, haben sich auf einmal mehrere solcher Gruppen auf der Stra├če eingefunden und begannen die Sicherheitskr├Ąfte zu attackieren. Es flogen Steine und Brands├Ątze, das Spezialkommandos der Polizei antwortete mit Tr├Ąnengas und sp├Ąter auch mit Wasserwerfern. Die Randalierer bauten Barrikaden aus allem, was sie auf der Stra├če fanden. Als sie dann ein paar M├╝llcontainer gegen├╝ber von unserem Hotel anz├╝ndeten, wurde Feueralarm ausgel├Âst. Die anr├╝ckende Feuerwehr wurde erst nach minutenlangen Verhandlungen zum ziemlich gro├čen Brandherd hinter die Barrikaden gelassen, die sofort wieder geschlossen wurden. Die Randalierer setzten ihren Angriff auf die Sicherheitskr├Ąfte fort, die nun ihrerseits weder Tr├Ąnengas noch Wasserwerfer einsetzten, um die Feuerwehrleute nicht zu gef├Ąhrden.

Die Hotelg├Ąste versammelten sich also in der Lobby und sahen dem Spektakel drau├čen zu. Neben mir stand ein Journalist, der das alles filmte und dabei kommentierte. Wir sahen beide das gleiche, aber er berichtete nicht neutral, sondern favorisierte die radikalen Demonstranten. Er sprach vom Kampf junger Hongkonger f├╝r die Demokratie, die sich dem brutalen Einsatz der Polizei widersetzte. Ich war fassungslos und er reagierte indigniert und zog sich zur├╝ck.
Die Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Randalierern zogen sich bis weit nach Mitternacht hin. Es war die Nacht, in der ein Polizist einen Demonstranten durch einen Schu├č mit scharfer Munition verletzte.

Am Morgen danach sah es aus wie auf einem Schlachtfeld.
Irgendwie hat das Ganze f├╝r mich nichts mit Demokratie zu tun, es ist wohl eher die ├╝bliche Initialisierung einer “Demokratiebewegung”.

Bilder von unserer Reise gibt es hier.

Frames of reference

Summertime in Fitou is always exiting, not only because of the fantastic weather and the Mediterranean but also of all the people and friends coming over. It’s an international bunch of people, very diverse and interesting.
So many backgrounds and experiences resulting quite often in inspiring discussions about life, politics, economics, art, sports, eating, etc.

We all have our frames of reference, a certain way how we react to specific stimuli, how we see the world around us, how we define people and the self. Our construction of reality is meant to safeguard our (inner) self.
At times, we clash with other people’s frames of reference and we feel the need to change ours and thus changing our perceptions, affections and actions ­čśë
But sometimes, we are just happy when found a similar one because its too demanding or too dangerous for our inner stability.

Brooding about this induced me to this painting.



The Nucleus

The command center, where everything else is getting energy and power from.

The kernel of a cell which contains most of the cell’s genetic material.

The central and brightest part of a comet.

The pieces that formed the center of a collection.

The important buildings which are the center of a city.

The center of all: the Nucleus.

Malerei & Gesang

Kunst ist, zumindest f├╝r mich, Ausdruck von Gedanken, Gef├╝hlen und unbewu├čter innerpsychischer Vorg├Ąnge. Sie ist, in welcher Form auch immer ge├Ąu├čert, ob gemalt, in Stein gemei├čelt oder gesungen,┬ádas Resultat der Auseinandersetzung mit sich selbst und der Welt. Sie ist getrieben vom Wunsch, sich selbst (besser) zu erkennen, denn jeder Zuwachs an Selbsterkenntnis geht einher mit der Erweiterung des Bewu├čtseins und vergr├Â├čert die pers├Ânliche Freiheit.
Jeder Mensch sucht und findet sich selbst auf ganz unterschiedliche Weise, ├╝ber Religion, Meditation, Introspektion oder eben ├╝ber bildlichen oder verbalen Ausdruck. Das schlie├čt eine gewisse Professionalit├Ąt bei der Gestaltung von Werken nicht aus, aber der zugrunde liegende Einfall, die – mehr oder weniger – unbewu├čt getroffene Wahl der Gestaltungselemente wie beispielsweise Farben, T├Âne, Instrumente zeigt die “Seele” des K├╝nstlers. Es ist ein, f├╝r den K├╝nstler oft waghalsiges Unterfangen, sich selbst zu zeigen und damit verwundbar zu machen. Aber es bietet eben auch die Chance, in der Begegnung mit Betrachtern und Zuh├Ârern, sich selbst neu zu sehen.
Mit dem Produkt des K├╝nstlers kann man in Beziehung treten und sich gleichsam damit auseinandersetzen. Man kann etwas sch├Ân finden, beruhigend, absto├čend, verst├Ârend, anregend, …und beginnt damit sich selbst zu entdecken. Ent – decken, im Sinne von aufdecken, was im Alltag nur allzuoft versch├╝ttet wird, was wir uns nicht trauen zu zeigen, was wir glauben, wiederfinden was wir m├Âgen, oder auch Erinnerungen, die sehr lang zur├╝ckliegen.

Die Kombination verschiedener k├╝nstlerischer Ausdrucksformen offeriert dem Betrachter verschiedene methodische Zug├Ąnge zur Kunst und sich selbst. Und so ist die wunderbare Idee entstanden, Malerei mit Musik zu verbinden.
Ich erhielt die sehr sch├Âne Gelegenheit, meine Bilder in einer kleinen Ausstellung im Studio stimmgewandt zu zeigen.

Operns├Ąngerin Maria Kier wird zur Er├Âffnung der Ausstellung zu meinen Bildern singen. Damit bieten wir den Kunstinteressierten und/oder neugierigen Besuchern die M├Âglichkeit, sich ihren Weg der Erkenntnis selbst auszuw├Ąhlen: sie k├Ânnen schauen, h├Âren, tanzen, mitsingen oder einfach mit anderen plaudern.

Ich freue mich auf die Ausstellung und hoffe auf viele Anregungen f├╝r meinen Weg der Selbsterkenntnis ­čÖé


Wie das Leben so spielt

Irgendwie haben wir alle einen Lebensplan, bewu├čt oder auch unbewu├čt. Also so was in der Richtung wie: wenn ich mal gro├č bin, dann will ich auf gar keinen Fall Dinge tun, die ich nicht mag, dann werde ich reich und ber├╝hmtÔÇŽ etc.

Auf dem Weg dahin unterwerfen wir uns oft mehr oder weniger freiwillig sogenannten Sachzw├Ąngen, denen wir, so glauben wir, kaum mehr entrinnen k├Ânnen: ich mu├č erst den Abschluss machen, Geld verdienen, das Haus bezahlen, die Kinder gro├čziehen, ÔÇŽ – aber dann! Dann gehts los mit dem sch├Ânen Leben, dann mache ich das, was ich schon immer machen wollte.

Und zack, kommt etwas dazwischen, was man nicht wirklich beeinflussen kann: eine unheilbare Krankheit, eine, die das Leben zunehmend einschr├Ąnkt bis es viel zu zeitig zu Ende geht. Dann fliegt der ganze sch├Âne Traum auseinander und alles wird nebens├Ąchlich. 

Und was dann? Sich an das Leben klammern? Sich allen erprobten und unerprobten Therapien hingeben in der Hoffnung, dass es vielleicht doch noch Rettung gibt? Wie und mit wem Zeit verbringen? Wie lange braucht man, um sich vom Leben zu verabschieden? Geht das ├╝berhaupt? 

So einen Prozess beobachte ich gerade in meinem unmittelbaren Freundeskreis und es macht mich sehr traurig. Mein Verstand und mein Gef├╝hl liegen hier nicht auf einer Wellenl├Ąnge. Ich f├╝hle mich hilflos.

10 Tage in S├╝dvietnam

So langsam fangen wir endlich an zu reisen und diesmal haben wir uns auf den Weg nach Ho Chi Minh City (HCMC) gemacht, denn Isa und Dick sind seit ein paar Monaten in S├╝dostasien unterwegs und wir wollten uns mit ihnen irgendwo dort f├╝r ein paar Tage treffen. Jetzt ist Vietnam nicht gerade um die Ecke und f├╝r so eine kurze Dauer ist die Anreise auch relativ aufwendig (Barcelona-London-Doha-HCMC und zur├╝ck), aber es hat sich f├╝r mich auf jeden Fall gelohnt. Mein “Inspiration Tank” ist wieder aufgef├╝llt ­čÖé

Ich war zuvor noch nie in diesem Teil der Welt und wu├čte nicht so recht, was mich dort au├čer hoher Luftfeuchtigkeit und warmen Temperaturen (was ├╝brigens sehr angenehm war) erwartet.
Wir sind morgens in HCMC angekommen, mitten im Berufsverkehr und ich habe mich wie in einem gro├čen Ameisenhaufen gef├╝hlt. Unz├Ąhlige Mopeds, wirklich unz├Ąhlige, sind auf den Stra├čen (und Fu├čwegen) in alle Richtungen unterwegs. Wenn man als Fu├čg├Ąnger eine Stra├če ├╝berqueren will, mu├č man einfach loslaufen, die passen schon auf dass sie dich nicht umfahren. Ich habe nicht einen einzigen Unfall gesehen. Begleitet wird das Ganze von einer immensen Ger├Ąuschkulisse und Abgaswolke. Ich habe sofort verstanden, warum viele Menschen eine Atemschutzmaske tragen.

Der ├Âffentliche Nahverkehr ist sehr gut organisiert, die Fernbusse super bequem, man reist im liegen.

5G Internet gibts ├╝berall und entsprechende Services dazu.

Die Luftverschmutzung und den M├╝ll auf den Stra├čen fand ich ehrlich gesagt unglaublich. Sobald man in eine Wohnung, ein Gesch├Ąft, Suppenk├╝che oder Restaurant geht, ist alles blitzeblank sauber. Dieser Widerspruch hat mich ziemlich verst├Ârt. Das Land hat kaum Kapazit├Ąten um den M├╝ll zu sammeln, zu verarbeiten und zu verbrennen. Aber es gibt einen Plan, allerdings ist derzeit wohl ┬ákein oder zu wenig Geld f├╝r Investitionen vorhanden um diesen Plan auch zu realisieren.

Das Land versinkt im Plastikm├╝ll! Das ist ein riesiges Problem und hat mich ziemlich w├╝tend gemacht. Ich meine, es w├Ąre doch relativ einfach, nur noch Elektroroller zuzulassen und Plastikt├╝ten zu verbieten.

HCMC

Die Stadt hat ungef├Ąhr 9 Millionen Einwohner und sch├Ątzungsweise 7 Millionen Mopeds sowie 700.000 Autos sind t├Ąglich in dieser Stadt unterwegs. Ein Moped k├Ânnen sich viele leisten, ein Auto ist etwas f├╝r Reiche und Funktion├Ąre, sagte uns ein Einheimischer.

Ho Chi Minh City platzt aus allen N├Ąhten. Es entstehen komplett neue Stadtviertel, L├╝cken werden bebaut und f├╝r das gesamte Land sind 500 Wohnhochh├Ąuser ├á 500 Wohnungen bis 2020 geplant zu bauen. Wir haben in einem dieser gerade fertiggestellten Hochh├Ąuser (50 Etagen!) in einem┬ádoch recht luxuri├Âsem Apartment ├╝bernachtet, mit einem phantastischem Blick ├╝ber die Stadt.

Es macht Spa├č einfach so durch die Stadt zu laufen, trotz Umweltverschmutzung.
Im chinesischen Viertel mit seinen kleinen Gassen und den schmalen, hohen H├Ąusern sind noch die Einfl├╝sse der Stadtgestaltung aus der franz├Âsischen Kolonialzeit sichtbar.

Im 1. Bezirk stehen u.a. Partei-und Verwaltungsgeb├Ąude, sch├Âne Pal├Ąste aus der Kolonialzeit und die wichtigsten Museen der Stadt. Wir haben uns die Ausstellungen und Galerien im Museum f├╝r Moderne Kunst angeschaut. Dort habe ich auch Lackmalereien gesehen und ein wenig ├╝ber diese Maltechnik herausgefunden. Im Laden der Kunsthochschule hab ich mir dann auch die wichtigsten Materialien und Werkzeuge gekauft damit ich das ausprobieren kann.

Das Kriegsmuseum hat mich sehr beeindruckt. Die Ausstellung zeigt eigentlich nur Fotos, Augenzeugenberichte in Schrift und Video und die von den USA verwendeten Waffen. Ich war oft den Tr├Ąnen nahe und manche dieser Bilder und Berichte konnte ich mir nicht anschauen, das war kaum auszuhalten. ├ähnliches habe ich bisher nur in Auschwitz gef├╝hlt.
Ein paar Tage sp├Ąter haben wir uns noch die Tunnel von Cu Chi angeschaut, sind selber hineingekrochen um wenigstens einigerma├čen eine Vorstellung davon zu bekommen, was die Vietcong da gebaut haben. Zwar waren sie von der Ausr├╝stung her den Amerikanern weit unterlegen, aber moralisch waren sie ihnen weit ├╝berlegen.

Can Tho

Wir sind rechtzeitig vor dem Taifun aus HCMC abgereist und haben ein paar Tage im Mekong Delta verbracht. In einer kleinen Pension in Can Tho, der┬ágr├Â├čten Stadt im Delta haben wir gewohnt und von dort die Gegend erkundet. Mit dem Boot sind wir zum noch immer gr├Â├čten schwimmenden Markt gefahren. Es gab und gibt viele dieser schwimmenden M├Ąrkte im Delta, wo die heimischen Bauern ihre Erzeugnisse sowohl an Gro├č-und Einzelh├Ąndler wie auch Privatleute verkaufen.

So pittoresk das Schauspiel f├╝r Touristen auch sein mag, die Probleme des Deltas┬áund der ├Ąu├čerst intensiv betriebenen Landwirtschaft lassen erahnen, was da auf die Bewohner zukommt.

Im Delta werden ├╝ber 50% des Reises und ein Gro├čteil des Obst und Gem├╝ses Vietnams produziert. Wetterkatastrophen, sinkender Wasserspiegel durch Staud├Ąmme in China und Kambodscha, Erosion der Ufer und das Eindringen von Salzwasser bedrohen das ├Âkologische wie auch ├Âkonomische Gleichgewicht in dieser Region. ┬áUm Ertragsverluste in der Landwirtschaft und Fischzucht auszugleichen, wird mehr ged├╝ngt und bew├Ąssert, die Fisch- und Shrimpszucht mit allerlei Chemie gepusht. Viele kleinere Kan├Ąle sind schon heute so verschmutzt, dass dort kaum noch Leben ist. Es scheint ein Teufelskreis zu sein, aber ein von Menschen gemachter.

Teilweise ist es schon absurd zu sehen, wie die Menschen dort mit der Natur, ihrer unmittelbaren Lebensgrundlage umgehen. Der Bootsf├╝hrer mu├č alle 20 Minuten anhalten um die Motorschraube vom Plastikm├╝ll zu befreien, nur um selbigen wieder ins Wasser zu werfen. Gleichzeitig preist er die Natur und Pflanzenvielfalt und bedauert, dass es kaum noch Flusspferde und Krokodile gibt.

Am n├Ąchsten Tag haben wir uns Roller ausgeliehen und sind in ein paar D├Ârfer n├Ârdlich von Can Tho gefahren. Wir waren auf der Suche nach zwei sogenannten Craft Villages, D├Ârfern in denen die ber├╝hmten Kegelh├╝te (Non La) und Reispapier hergestellt werden. Die Hutmacher haben wir nicht gefunden und die Herstellung des Reispapiers haben wir auch nicht wirklich gesehen, daf├╝r aber gekostet. Als wir n├Ąmlich ein wenig hilflos am Stra├čenrand standen und Google Maps durchsuchten, hat uns eine Familie zu sich eingeladen. Die war gerade nach einem ├╝ppigen Lunch beim Reiswein (den ich eher als Schnaps bezeichnen w├╝rde) angelangt und entsprechend fr├Âhlich. Nat├╝rlich mu├čten wir mit ihnen ansto├čen und die Frau des Hauses hat uns leckere Bananenreisfladen serviert. Der Mann hat die Sch├Ânheit seiner Tochter gepriesen und war sichtlich angetan von Dick. Nach einer Weile hatten wir den Eindruck, dass er ihm seine Tochter offerierte.
Es scheint ein durchaus g├Ąngiges Gesch├Ąftsmodell zu sein ­čśë
Dieser Eindruck hat sich noch verst├Ąrkt, als wir eines Abends durch das Backpackerviertel gelaufen sind und ├╝berall sehr sch├Âne, leicht bekleidete Frauen nach westlichen M├Ąnnern Ausschau hielten. Ich wei├č, das dass eine euphemistische Beschreibung ist f├╝r das was da wirklich geschieht.

Fazit

Vietnam boomt, unter kommunistischer F├╝hrung entwickelt sich ein entfesselter Kapitalismus mit all seinen Vor- und Nachteilen. Nat├╝rlich ist es ein Vorteil, wenn mehr Menschen in einigerma├čen guten H├Ąusern leben, wenn sie mehr Geld verdienen, wenn sie sich den Luxus eines Motorrollers, Mobiltelefone leisten k├Ânnen und so mobil werden, am Leben teilnehmen k├Ânnen. Das, was hier Luxus ist, ist f├╝r uns aus der reichen westlichen Welt selbstverst├Ąndlich.

Aber auch wenn sich f├╝r die Masse das Lebensniveau erh├Âht, die Kluft zwischen arm und reich w├Ąchst atemberaubend schnell und ist so unglaublich gro├č, dass ich mich frage, wie lange so etwas gut geht, wie lange bleiben die Menschen noch freundlich und offen und unterst├╝tzen sich gegenseitig, wann kippt das, wann werden sie gierig und egoistisch, wo ist die Grenze zwischen genug und ├ťberfluss?

Aber, ich will da auf jeden Fall wieder hin…

 

Familienstammbaum

Seit ich vor einem halben Jahr beschlossen hatte, die Geschichte unserer Familie aufzuschreiben, war mir nicht klar, wie aufwendig das sein w├╝rde.
Ich habe mittlerweile so viele Geschichten und von Familienmitgliedern geh├Ârt, die ich vorher noch nicht kannte, aber auch viele meiner Erinnerungen sind wieder wach geworden. Da geistert eine Menge in meinem Kopf herum und es ist richtig Arbeit, das alles zu ordnen.

Ich habe also angefangen, die Familienmitglieder zu sortieren, diese zueinander in Relation zusetzen, also einen Familienstammbaum zu schreiben und bin dabei recht schnell an die Grenzen der verst├Ąndlichen Darstellung gekommen. Auf der Suche nach Web Applikationen bin ich recht schnell auf das Universum der Genealogie gesto├čen, und da tun sich schon Dinge auf, die ich gar nicht n├Ąher kommentieren m├Âchte. Nur soviel: alles, was einigerma├čen gut funktioniert, kostet Geld. Aber mein pers├Ânlicher Open Source Spezialist ist bei webtrees f├╝ndig geworden. Das Programm ist zwar nicht so sophisticated, aber einfach zu benutzen und tut, was es soll.

Na ja, das ist der Stammbaum, aber die mit den einzelnen Personen verbundenen Geschichten sind die andere Seite meines Projekts. Da werde ich bestimmt noch viel Zeit mit verbringen.
Besonders, wenn man die Geschichten in einen historischen Zusammenhang einordnet und dar├╝ber recherchiert, werden sie immer interessanter und immer mehr Fragen tauchen auf.

Du Urspr├╝nge unserer Familie lassen sich sieben Generationen zur├╝ck verfolgen, also bis ungef├Ąhr bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Ich stamme ├╝brigens aus einer Familie von Bauern, Handwerkern und Hausfrauen ab ­čśë Der erste, der einen h├Âher qualifizierten Beruf aus├╝bte war mein Gro├čvater. Er war Druckermeister.

Erstaunt hat mich, wieviel ich selbst vergessen hatte und auch, woran sich die Menschen meiner gro├čen Familie erinnern. Auch fand ich es unglaublich, wie sie doch alle mehr oder weniger immer Kontakt zu einander hielten, trotz der mit den beiden Weltkriegen verbundenen Katastrophen.