Wie das Leben so spielt

Irgendwie haben wir alle einen Lebensplan, bewußt oder auch unbewußt. Also so was in der Richtung wie: wenn ich mal groß bin, dann will ich auf gar keinen Fall Dinge tun, die ich nicht mag, dann werde ich reich und berühmt… etc.

Auf dem Weg dahin unterwerfen wir uns oft mehr oder weniger freiwillig sogenannten Sachzwängen, denen wir, so glauben wir, kaum mehr entrinnen können: ich muß erst den Abschluss machen, Geld verdienen, das Haus bezahlen, die Kinder großziehen, … – aber dann! Dann gehts los mit dem schönen Leben, dann mache ich das, was ich schon immer machen wollte.

Und zack, kommt etwas dazwischen, was man nicht wirklich beeinflussen kann: eine unheilbare Krankheit, eine, die das Leben zunehmend einschränkt bis es viel zu zeitig zu Ende geht. Dann fliegt der ganze schöne Traum auseinander und alles wird nebensächlich. 

Und was dann? Sich an das Leben klammern? Sich allen erprobten und unerprobten Therapien hingeben in der Hoffnung, dass es vielleicht doch noch Rettung gibt? Wie und mit wem Zeit verbringen? Wie lange braucht man, um sich vom Leben zu verabschieden? Geht das überhaupt? 

So einen Prozess beobachte ich gerade in meinem unmittelbaren Freundeskreis und es macht mich sehr traurig. Mein Verstand und mein Gefühl liegen hier nicht auf einer Wellenlänge. Ich fühle mich hilflos.

10 Tage in Südvietnam

So langsam fangen wir endlich an zu reisen und diesmal haben wir uns auf den Weg nach Ho Chi Minh City (HCMC) gemacht, denn Isa und Dick sind seit ein paar Monaten in Südostasien unterwegs und wir wollten uns mit ihnen irgendwo dort für ein paar Tage treffen. Jetzt ist Vietnam nicht gerade um die Ecke und für so eine kurze Dauer ist die Anreise auch relativ aufwendig (Barcelona-London-Doha-HCMC und zurück), aber es hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt. Mein “Inspiration Tank” ist wieder aufgefüllt 🙂

Ich war zuvor noch nie in diesem Teil der Welt und wußte nicht so recht, was mich dort außer hoher Luftfeuchtigkeit und warmen Temperaturen (was übrigens sehr angenehm war) erwartet.
Wir sind morgens in HCMC angekommen, mitten im Berufsverkehr und ich habe mich wie in einem großen Ameisenhaufen gefühlt. Unzählige Mopeds, wirklich unzählige, sind auf den Straßen (und Fußwegen) in alle Richtungen unterwegs. Wenn man als Fußgänger eine Straße überqueren will, muß man einfach loslaufen, die passen schon auf dass sie dich nicht umfahren. Ich habe nicht einen einzigen Unfall gesehen. Begleitet wird das Ganze von einer immensen Geräuschkulisse und Abgaswolke. Ich habe sofort verstanden, warum viele Menschen eine Atemschutzmaske tragen.

Der öffentliche Nahverkehr ist sehr gut organisiert, die Fernbusse super bequem, man reist im liegen.

5G Internet gibts überall und entsprechende Services dazu.

Die Luftverschmutzung und den Müll auf den Straßen fand ich ehrlich gesagt unglaublich. Sobald man in eine Wohnung, ein Geschäft, Suppenküche oder Restaurant geht, ist alles blitzeblank sauber. Dieser Widerspruch hat mich ziemlich verstört. Das Land hat kaum Kapazitäten um den Müll zu sammeln, zu verarbeiten und zu verbrennen. Aber es gibt einen Plan, allerdings ist derzeit wohl  kein oder zu wenig Geld für Investitionen vorhanden um diesen Plan auch zu realisieren.

Das Land versinkt im Plastikmüll! Das ist ein riesiges Problem und hat mich ziemlich wütend gemacht. Ich meine, es wäre doch relativ einfach, nur noch Elektroroller zuzulassen und Plastiktüten zu verbieten.

HCMC

Die Stadt hat ungefähr 9 Millionen Einwohner und schätzungsweise 7 Millionen Mopeds sowie 700.000 Autos sind täglich in dieser Stadt unterwegs. Ein Moped können sich viele leisten, ein Auto ist etwas für Reiche und Funktionäre, sagte uns ein Einheimischer.

Ho Chi Minh City platzt aus allen Nähten. Es entstehen komplett neue Stadtviertel, Lücken werden bebaut und für das gesamte Land sind 500 Wohnhochhäuser à 500 Wohnungen bis 2020 geplant zu bauen. Wir haben in einem dieser gerade fertiggestellten Hochhäuser (50 Etagen!) in einem doch recht luxuriösem Apartment übernachtet, mit einem phantastischem Blick über die Stadt.

Es macht Spaß einfach so durch die Stadt zu laufen, trotz Umweltverschmutzung.
Im chinesischen Viertel mit seinen kleinen Gassen und den schmalen, hohen Häusern sind noch die Einflüsse der Stadtgestaltung aus der französischen Kolonialzeit sichtbar.

Im 1. Bezirk stehen u.a. Partei-und Verwaltungsgebäude, schöne Paläste aus der Kolonialzeit und die wichtigsten Museen der Stadt. Wir haben uns die Ausstellungen und Galerien im Museum für Moderne Kunst angeschaut. Dort habe ich auch Lackmalereien gesehen und ein wenig über diese Maltechnik herausgefunden. Im Laden der Kunsthochschule hab ich mir dann auch die wichtigsten Materialien und Werkzeuge gekauft damit ich das ausprobieren kann.

Das Kriegsmuseum hat mich sehr beeindruckt. Die Ausstellung zeigt eigentlich nur Fotos, Augenzeugenberichte in Schrift und Video und die von den USA verwendeten Waffen. Ich war oft den Tränen nahe und manche dieser Bilder und Berichte konnte ich mir nicht anschauen, das war kaum auszuhalten. Ähnliches habe ich bisher nur in Auschwitz gefühlt.
Ein paar Tage später haben wir uns noch die Tunnel von Cu Chi angeschaut, sind selber hineingekrochen um wenigstens einigermaßen eine Vorstellung davon zu bekommen, was die Vietcong da gebaut haben. Zwar waren sie von der Ausrüstung her den Amerikanern weit unterlegen, aber moralisch waren sie ihnen weit überlegen.

Can Tho

Wir sind rechtzeitig vor dem Taifun aus HCMC abgereist und haben ein paar Tage im Mekong Delta verbracht. In einer kleinen Pension in Can Tho, der größten Stadt im Delta haben wir gewohnt und von dort die Gegend erkundet. Mit dem Boot sind wir zum noch immer größten schwimmenden Markt gefahren. Es gab und gibt viele dieser schwimmenden Märkte im Delta, wo die heimischen Bauern ihre Erzeugnisse sowohl an Groß-und Einzelhändler wie auch Privatleute verkaufen.

So pittoresk das Schauspiel für Touristen auch sein mag, die Probleme des Deltas und der äußerst intensiv betriebenen Landwirtschaft lassen erahnen, was da auf die Bewohner zukommt.

Im Delta werden über 50% des Reises und ein Großteil des Obst und Gemüses Vietnams produziert. Wetterkatastrophen, sinkender Wasserspiegel durch Staudämme in China und Kambodscha, Erosion der Ufer und das Eindringen von Salzwasser bedrohen das ökologische wie auch ökonomische Gleichgewicht in dieser Region.  Um Ertragsverluste in der Landwirtschaft und Fischzucht auszugleichen, wird mehr gedüngt und bewässert, die Fisch- und Shrimpszucht mit allerlei Chemie gepusht. Viele kleinere Kanäle sind schon heute so verschmutzt, dass dort kaum noch Leben ist. Es scheint ein Teufelskreis zu sein, aber ein von Menschen gemachter.

Teilweise ist es schon absurd zu sehen, wie die Menschen dort mit der Natur, ihrer unmittelbaren Lebensgrundlage umgehen. Der Bootsführer muß alle 20 Minuten anhalten um die Motorschraube vom Plastikmüll zu befreien, nur um selbigen wieder ins Wasser zu werfen. Gleichzeitig preist er die Natur und Pflanzenvielfalt und bedauert, dass es kaum noch Flusspferde und Krokodile gibt.

Am nächsten Tag haben wir uns Roller ausgeliehen und sind in ein paar Dörfer nördlich von Can Tho gefahren. Wir waren auf der Suche nach zwei sogenannten Craft Villages, Dörfern in denen die berühmten Kegelhüte (Non La) und Reispapier hergestellt werden. Die Hutmacher haben wir nicht gefunden und die Herstellung des Reispapiers haben wir auch nicht wirklich gesehen, dafür aber gekostet. Als wir nämlich ein wenig hilflos am Straßenrand standen und Google Maps durchsuchten, hat uns eine Familie zu sich eingeladen. Die war gerade nach einem üppigen Lunch beim Reiswein (den ich eher als Schnaps bezeichnen würde) angelangt und entsprechend fröhlich. Natürlich mußten wir mit ihnen anstoßen und die Frau des Hauses hat uns leckere Bananenreisfladen serviert. Der Mann hat die Schönheit seiner Tochter gepriesen und war sichtlich angetan von Dick. Nach einer Weile hatten wir den Eindruck, dass er ihm seine Tochter offerierte.
Es scheint ein durchaus gängiges Geschäftsmodell zu sein 😉
Dieser Eindruck hat sich noch verstärkt, als wir eines Abends durch das Backpackerviertel gelaufen sind und überall sehr schöne, leicht bekleidete Frauen nach westlichen Männern Ausschau hielten. Ich weiß, das dass eine euphemistische Beschreibung ist für das was da wirklich geschieht.

Fazit

Vietnam boomt, unter kommunistischer Führung entwickelt sich ein entfesselter Kapitalismus mit all seinen Vor- und Nachteilen. Natürlich ist es ein Vorteil, wenn mehr Menschen in einigermaßen guten Häusern leben, wenn sie mehr Geld verdienen, wenn sie sich den Luxus eines Motorrollers, Mobiltelefone leisten können und so mobil werden, am Leben teilnehmen können. Das, was hier Luxus ist, ist für uns aus der reichen westlichen Welt selbstverständlich.

Aber auch wenn sich für die Masse das Lebensniveau erhöht, die Kluft zwischen arm und reich wächst atemberaubend schnell und ist so unglaublich groß, dass ich mich frage, wie lange so etwas gut geht, wie lange bleiben die Menschen noch freundlich und offen und unterstützen sich gegenseitig, wann kippt das, wann werden sie gierig und egoistisch, wo ist die Grenze zwischen genug und Überfluss?

Aber, ich will da auf jeden Fall wieder hin…

 

Familienstammbaum

Seit ich vor einem halben Jahr beschlossen hatte, die Geschichte unserer Familie aufzuschreiben, war mir nicht klar, wie aufwendig das sein würde.
Ich habe mittlerweile so viele Geschichten und von Familienmitgliedern gehört, die ich vorher noch nicht kannte, aber auch viele meiner Erinnerungen sind wieder wach geworden. Da geistert eine Menge in meinem Kopf herum und es ist richtig Arbeit, das alles zu ordnen.

Ich habe also angefangen, die Familienmitglieder zu sortieren, diese zueinander in Relation zusetzen, also einen Familienstammbaum zu schreiben und bin dabei recht schnell an die Grenzen der verständlichen Darstellung gekommen. Auf der Suche nach Web Applikationen bin ich recht schnell auf das Universum der Genealogie gestoßen, und da tun sich schon Dinge auf, die ich gar nicht näher kommentieren möchte. Nur soviel: alles, was einigermaßen gut funktioniert, kostet Geld. Aber mein persönlicher Open Source Spezialist ist bei webtrees fündig geworden. Das Programm ist zwar nicht so sophisticated, aber einfach zu benutzen und tut, was es soll.

Na ja, das ist der Stammbaum, aber die mit den einzelnen Personen verbundenen Geschichten sind die andere Seite meines Projekts. Da werde ich bestimmt noch viel Zeit mit verbringen.
Besonders, wenn man die Geschichten in einen historischen Zusammenhang einordnet und darüber recherchiert, werden sie immer interessanter und immer mehr Fragen tauchen auf.

Du Ursprünge unserer Familie lassen sich sieben Generationen zurück verfolgen, also bis ungefähr bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Ich stamme übrigens aus einer Familie von Bauern, Handwerkern und Hausfrauen ab 😉 Der erste, der einen höher qualifizierten Beruf ausübte war mein Großvater. Er war Druckermeister.

Erstaunt hat mich, wieviel ich selbst vergessen hatte und auch, woran sich die Menschen meiner großen Familie erinnern. Auch fand ich es unglaublich, wie sie doch alle mehr oder weniger immer Kontakt zu einander hielten, trotz der mit den beiden Weltkriegen verbundenen Katastrophen.

Wir brauchen ein neues Auto

Unser Renault Kangoo ist in die Jahre gekommen (9!) und hat viele Kilometer auf dem Tacho (230 000). Wir haben kaum bemerkt, wie lange wir ihn schon besitzen. Na ja, wenn ich mich auf den Straßen so umschau, dann sieht er ein wenig aus der Zeit gefallen aus. Das Design ist eher gestrig, die Sitze sind jetzt nicht so bequem, dass man damit um die Welt fahren mag. Aber er hat viel Platz und verbraucht relativ wenig (so 5-6 Liter Diesel auf 100km/h). Er hat uns immer überall hingebracht, alles transportiert und gezogen was wir so in unseren Bau geschleppt haben. Wir haben sogar einige Male darin geschlafen als nix anderes möglich war. Niemals hatten wir ein Problem mit ihm. Continue reading “Wir brauchen ein neues Auto”

Es geht auch anders

Völlig utopisch heißt das Buch, welches ich in den letzten Tagen gelesen habe. Es ist eine Sammlung von utopischen Lebensentwürfen aus 17 Ländern, aufgeschrieben von Korrespondenten des Netzwerks Weltreporter. 

Der Duden bezeichnet eine Utopie als einen als undurchführbar erscheinenden Plan, als Idee ohne reale Grundlage.
Nachdem ich diese Geschichten gelesen hab, erscheinen sie mir nicht wirklich als utopisch, sie sind vielmehr ein Versuch, ein selbstbestimmtes Leben, fernab vom Mainstream zu führen. 

Ob initiiert von Einzelnen oder Gruppen, alle diese Menschen haben sich entschieden utopisch anmutende Lebensentwürfe zu realisieren um ein Leben nach eigenen Regeln zu führen. So verschieden die soziale Herkunft auch sein mag, allen geht es um ein Leben in Würde, um soziale Gerechtigkeit und ökologische Integrität. Es sind Geschichten von Menschen die in gnadenlos geldgierigen Gesellschaften gescheitert sind, die um ihr Überleben und ihre Unabhängigkeit kämpfen, von Menschen auf der Sinnsuche abseits des auf stetigen Wachstum basierenden Wirtschaftssystems.  

Mit diesen relativ kleinen, begrenzten Aktionen stellen sie bestehende Verhältnisse in Frage, wenn nicht gar auf den Kopf. Das ersinnen und leben von Alternativen, abseits von Ideologien ist in der Summe natürlich gefährlich für auf Eigennutz und Kontrolle basierenden Gesellschaften und so ist es nicht verwunderlich, solche Visionen als naiv, utopisch und nicht realisierbar abzustempeln und zu verleumden.

Mich haben diese Geschichten sehr berührt. Mit den Worten “es geht auch anders” und “willst du so sein wie alle?” bin ich aufgewachsen. Ich habe schon früh gelernt, nicht alles einfach so hinzunehmen sondern immer darüber nachzudenken, welche Motive und Auswirkungen hinter Aussagen und Vorhaben stecken.
Alles in Frage zustellen macht das Leben nicht unbedingt einfacher, aber reicher, entdeckt man doch so viele Alternativen, die es wert sind zu leben 😉

Ein Kessel Buntes

Wir wohnen da, wo andere Urlaub machen. Entsprechend voll ist es hier auch momentan und eigentlich, wollten/sollten auch wir einfach nur Urlaub machen.
Aber wie so oft, haben wir dermaßen viel zu tun, dass wir es nur zwei-dreimal die Woche für kurze Zeit an den Strand schaffen.
Ja ja, das liegt an uns selbst und wir könnten das auch selber ändern, aber irgendwie kriegen wir das im Kopf nicht hin 😉 Noch nicht. Heute Morgen haben wir das Jahr 2024 zum Trödeljahr erklärt, bis dahin wollen wir alles fertig gebaut haben.

Vergangene Woche hab ich mal wieder gemauert. Die große Trennwand, die verstärkt werden muß durch eine stabile Steinmauer aus Ziegelsteinen. Jetzt bin ich endlich in der letzten Etage angekommen und muß schätzungsweise nur noch 300 Steine vermauern. Das ist echt schwere Arbeit, jeder Stein wiegt 8 kg, dazu muß ich noch den Mörtel anrühren und das Material dahin tragen wo ich es brauche. Am Anfang geht das ja noch, aber so ab der fünften Reihe muß ich aufs Gerüst klettern. Das hält zwar fit, aber ist auch ziemlich anstrengend. Ich hoffe, dass ich die Mauer bis Ende nächster Woche fertig bekomme.

Mauern selber ist jetzt nicht so eine geistige Herausforderung, aber dafür kann ich dabei so wunderbar nachdenken:

Über das Alter

Mittlerweile brauche ich eine Brille, um mich zu schminken und dabei sehe ich plötzlich all die vielen kleinen Falten in meinem Gesicht und an meinem Körper.
Dabei habe ich doch fast 40 Jahre gebraucht um mein Äußeres zu mögen und jetzt sind die Haare grau und ich hab überall Falten. Das sind, zugegebenermaßen relativ geringfügige Probleme, denn es geht mir gut, ich bin fit, gesund und glücklich und kann machen was ich will 🙂

Allerdings überlege ich mir schon, ob ich in 20 Jahren noch immer so leichtfüßig alle Treppen in unserem Haus hoch und runterkomme oder ob es nicht vielleicht besser wäre, wenn wir uns ein ebenerdiges Haus bauen. So ein richtig modernes, abgedrehtes, gut in die Gegend passendes Haus mit großem Garten direkt vor der Tür wo ich dann bis ins hohe Alter rumwerkeln kann. Aber das braucht mindestens die nächsten 6-8 Jahre, bis alles so ist, wie wir das haben wollen. 

Wäre es dann nicht besser, einfach das Leben in unserem jetzigen, sehr schönen Haus und Garten zu genießen, zu reisen und all die Dinge zu bauen, die ich schon immer mal bauen wollte? Wenn ich (wir) dann tatsächlich, so ab 80 die Treppe nicht mehr steigen kann, dann können wir die Hütte ja immer noch verkaufen und woanders hinziehen.

Über den Tod

In den letzten Wochen sind ein paar ältere Leute hier aus Fitou “verschwunden”. Die meisten haben allein gelebt, sind schon sehr alt und zunehmend gebrechlich geworden. Ich konnte sehen, wie es für sie immer schwieriger wurde allein zurecht zu kommen. Und irgendwann ging es nicht mehr und sie mußten dann in ein Pflegeheim gehen. Keiner von den alten Leuten wollte jemals in ein solches Heim, aber keiner aus deren Familien ist in der Lage, immer bei ihnen zu sein, so dass die Unterbringung in ein solches Heim unumgänglich schien. Und da sind sie jetzt und leben, aber eben auch nicht mehr wirklich. 

Für alle Beteiligten ist das eine schwierige und traurige Situation und jeder sagt, so möchte ich nicht mein Leben beenden. Aber wie dann? Ich meine, man kann ja nicht einfach so beschließen: so, jetzt ist es genug, jetzt will ich sterben und dann ist es vorbei. Ein selbstbestimmter Tod ist gesellschaftlich nicht wirklich akzeptiert, zumindest hier nicht. Das ist ein schwieriges Thema. 

Ich hoffe, dass mir so etwas nicht passiert und ich in der Lage sein werde, mein Lebensende selbst zu bestimmen.

Über Orwellsche Umdeutungen

Mir fällt auf, dass, wenn ich mit anderen diskutiere, vielen Worten heute eine andere Bedeutung gegeben wird, als früher (als ich noch jung war). Ein solcher Begriff ist Vertrauen. 

Es gibt eine Menge Leute, die glauben, dass man mit perfekt logischen, technischen Abläufen alle Risiken ausschalten und somit das Vertrauen der Anwender/Benutzer gewinnen kann. Das meint, man soll technischen Abläufen, Algorithmen vertrauen. Selbst wenn man alle Parameter gemessen, eingestellt und berechnet hat, bleibt doch immer noch das Risiko, dass etwas unvorhergesehenes, durch menschlichen Einfluß hervorgerufenes, geschieht. 

Vertrauen hat meiner Meinung nach, etwas mit menschlichem Verhalten zu tun und es kann niemals hundertprozentig berechnet werden. Wem ich heute vertraut habe, dem kann ich doch nicht morgen ebenso blindlings vertrauen, sondern muß doch immer wieder meine “Parameter” überprüfen und mich neu entscheiden, ob ich vertraue. Das ist doch eigentlich unkalkulierbar, und hängt immer vom sozialen Verhalten der beteiligten Personen ab, oder?

Hagen liest gerade das Buch “Vertrauen” von Luhmann und natürlich diskutieren wir intensiv darüber. Luhmann schreibt, dass Vertrauen letztlich auf Täuschung beruht, denn man kann eben Entscheidungen nicht zu Hundertprozent rational treffen, sondern da gibt es immer einen unkalkulierbaren, schwer zu definierenden Einfluß, der uns letztlich entscheiden läßt. Man kann das Intuition nennen, oder das bewußt-unbewußte, was wir irgendwo tief in uns gespeichert haben. Eine Täuschung ist es vielleicht dann, wenn wir nicht das gewünschte Ergebnis erhalten, unser Vertrauen also nicht gerechtfertigt wurde. Dann müssen wir uns ent-täuschen.
Irgendwie ist das Thema noch nicht rund für mich, mal sehen, wie es bei Luhmann weiter geht.

Das sind schwere, aber interessante Themen. Ich muß jetzt unbedingt an den Strand und erstmal eine Runde Wellenschlaf machen.

Ein schönes, luxuriöses Leben

Ein schönes, luxuriöses Leben definiert ein jeder/jede für sich selbst und so verschieden die Lebensumstände, so verschieden sind wahrscheinlich auch die Ansichten darüber, was dazu gehört. So hin und wieder, besonders immer dann, wenn wir mit vielen, doch sehr verschiedenen Menschen ins Gespräch kommen, werde ich nachdenklich und überdenke meine Definition von einem schönen, luxuriösen Leben. Dabei fällt mir auf, wieviele Menschen sich über Dinge definieren und anscheinend permanent auf der Jagd nach etwas sind, was der Nachbar/Bekannte/Verwandte/Freund schon hat. Sie glauben tatsächlich, dass dann ihr Leben schön wird, wenn sie sich mit ausgefallenen, oft auch teuren Dingen umgeben. (Auf der Suche nach einem Titelbild hier auf Pixabay bekommt man, wenn man Luxus eingibt, überwiegend Bilder von Autos, Diamanten, schönen Frauen in schönen Kleidern, Yachten, Immobilien und Mode.)
Luxus wird also mit der Menge an Geld gleichgesetzt, die man für etwas aufwendet. Continue reading “Ein schönes, luxuriöses Leben”

Summertime

Summer gets very busy in Fitou. Many cultural events are taking place, seasonal residents are coming over to spend their holidays and meet their friends, and of course, lots of parties. You could easily spend every evening at another event, sometimes it’s becoming difficult when you still need to work a bit during the day.

Anyway, we dived into the social life last week. We had a nice dinner with some friends, spent another two nights of very passionate discussions about life, jobs & politics with our old neighbour friends which we haven’t seen since 12 years!
Than there was the opening of the summer exhibition at L’Atelier in La Palme, where I am showing some of my paintings among other artists. On top of all this, we went to an unusual jazz – accordion-saxophone concert in La Chapelle de Fitou.

Now I am sitting here at the exhibition space, a bit tired, rethink about all the encounters and discussions and talk with visitors of the exhibition.
This expo is special because of the diverse objects. It is the proud presentation of the work the association members produced at their workshops during last year. Additional to that, two external artists are invited to show their work (and one of them is me :-))

The atmosphere is very friendly and welcoming, people enjoy spending time together and creating something arty are keen to learn about art techniques and art itself. It is a very unpretentious approach to art.
I find it always interesting to see how people react to art, and also to notice what reactions art evokes in me.
On many works, I just pass by, some things make me recoil, others make me laugh, touches me and some things are just beautiful. Difficult to explain, it always has something to do with what lies deep inside us 😉
I got nice comments on my pictures, some visitors felt challenged to see something concrete and wanted to know if this coincides with intentions. One visitor asked me a little indignantly why I painted a pink rectangle in this beautiful structure, it would destroy the beautiful random order. That made me smile, it was exactly what I wanted to achieve with it.
I like these conversations, somehow it is also one of the wonderful things that art brings people together, although the creative process is a very lonely, very personal process, at least for me.

I need these breaks, where I can just work without many social interactions, and then I like to join the hubbub again.
Now it’s definitely time for a break, on the beach, of course 🙂

Hilfe, ein Geschenk

Ein alljährlicher Dialog:

A: Wir haben ja bald beide Geburtstag. Wollen wir da was Schönes machen?

B: Ja, wir könnten lecker essen gehen, ins ….?

A: Ja, gerne. Aber wir schenken uns nichts, oder?

B: Hmm, mal sehen.

A: Ich hab ja alles, du mußt mir nichts schenken.

B: Ich weiß, dass ich dir nichts schenken muß. Aber vielleicht möchte ich dir ja etwas schenken?

A: Aber warum denn? Ich hab doch auch kein Geschenk für dich.

B: Ich möchte dir eine Freude machen. Du mußt mir nichts schenken.

A: Aber wenn du mir etwas schenkst, ist das doch doof.

B: Wieso ist das doof, wenn ich dir etwas schenken möchte? Das macht mir doch auch Spaß und ich freue mich, wenn ich dir eine Freude machen kann.

A: Hmm.

B: Vielleicht freust du dich ja über ein Geschenk von mir?
Wenn ich dir etwas schenke, bedeutet es nicht, dass du mir auch etwas schenken mußt.

A: Wünschst du dir etwas?

B: Ich wünsche mir nichts, auch ich hab alles. Aber wenn du eine schöne Überraschung für mich hast, freue ich mich bestimmt.

A: Ach menno, gib mir doch wenigstens einen Tip. Ich bin sowieso schon so im Stress.

B: Ich will dir keinen Stress machen, ich erwarte kein Geschenk von dir. Laß uns einfach lecker essen gehen.

A: Dann schenken wir uns also nichts?

B: Mal sehen.