China ist anders

So langsam fangen wir ja an mit Reisen, diesmal nun also China. Auslöser für die Reise war die Cloud Conference von Alibaba, hinzu kamen ein paar andere geschäftliche Treffen und so haben wir eine Reise drumherum gestrickt. Je mehr ich nachgelesen habe, desto mehr Ziele kamen auf unsere Reiseliste und am Ende haben wir uns dann entschieden für vier Wochen durch einen kleinen Teil dieses Landes zu reisen. Als Kostprobe, sozusagen.

Vor vielen Jahren habe ich mal auf einer Konferenz jemanden getroffen, der gerade aus China zurückkam. Ich fragte ihn, wie das denn dort sei und er antwortete: China ist ganz anders als wir uns das hier vorstellen.
Wieder zu Hause habe ich allen, die gefragt haben, eine sehr ähnliche Antwort gegeben. China ist ganz anders, als es uns hier oft beschrieben und dargestellt wird. Natürlich habe ich nur einen klitzekleinen Ausschnitt des Landes gesehen, habe, ob der Sprachbarrieren, nur mit einer Handvoll Einheimischer reden können, aber diese Reise hat mein Bild von China doch sehr verändert.
Was mich am meisten überrascht hat: es ist fast alles neu, sehr modern, sehr gut organisiert, irgendwie funktioniert alles mit sehr viel Harmonie.

Überall, selbst in den Bergen, hat man 4G Internet, niemals steht man länger (und schon gar nicht allein) an einer Bushaltestelle, die Busse (elektrisch!) fahren oft abhängig vom Bedarf auch zusätzlich zum Fahrplan. Die Bahnhöfe sind wie Flughäfen organisiert, die sehr komfortablen Züge fahren auf die Sekunde pünktlich los und kommen ebenso pünktlich an, selbst wenn man 1400 km unterwegs ist.

Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit, allerdings nicht besonders rücksichtsvoll wenn es darum geht einen guten Platz auf der Aussichtsplattform zu bekommen. Da gibt es ein Schieben und Drängeln und wenn man da als höflicher Europäer nachgibt, kommt man niemals nach vorn. Aber ein solches Verhalten ist wahrscheinlich normal, wenn man bedenkt wieviele Menschen dort leben.

Wir kamen mitten in den Vorbereitungen zum 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China in Peking an. Unser Hotel war in der Nähe der Verbotenen Stadt. Viele Straßen waren schon abgesperrt für die Feierlichkeiten und man mußte Sicherheitskontrollen passieren, um zum Tiananmen Platz zu kommen. Es wurde uns gar empfohlen, das Hotel eine Nacht eher zu verlassen und etwas außerhalb des Zentrums zu buchen, weil die Straße davor für die Übungen der Parade gesperrt war. Aber hey, alles war super freundlich und die Menschen schienen völlig aus dem Häuschen und stolz auf ihr Land zu sein. Die haben aber auch eine eindrucksvolle Entwicklung in den letzten 30 Jahren hingelegt!
Ich habe, ehrlich gesagt, viel mehr Propaganda Poster erwartet. Den in westlichen Medien beschriebene Personenkult um den Staatspräsidenten Xi Jinping habe ich nicht wahrgenommen, ich hab nirgendwo Bilder von ihm gesehen. Möglicherweise hängen die in Regierungs- und Parteigebäuden, aber eben nicht an jeder Ecke. Das kenne ich aus der DDR noch ganz anders.

Und überhaupt, ich hab Schwierigkeiten diesem Land den Stempel des Kommunismus aufzudrücken. Was ich gesehen habe ist eher ein zentral gelenkter Kapitalismus mit sehr sozialer Ausprägung. Die Chinesen selbst bezeichnen ihr Staatssystem als demokratischen Zentralismus. Das Grundanliegen, welches immer wieder betont wird, ist, dass es allen Menschen des Landes besser gehen soll. Es lohnt sich für ein besseres Verständnis, die Verfassung der Volksrepublik China zu lesen.
Die Menschen reden auch davon, dass sie nur gemeinsam ihr Land aufbauen können, dass es gut für alle sein soll, dass die, die viel Geld verdienen, etwas an die Gesellschaft zurückgeben müssen. Das westliche Gesellschaftssystem scheint vielen nicht geeignet bzw. nicht erstrebenswert zu sein.

Ich fragte nach dem Social Point System und hörte durchweg positive Zustimmung. Schließlich müssen die Menschen aufeinander achten und sich gut zueinander verhalten. Jemand sagt mir, dass es die Übertragung des Criminal Records (ähnlich einem polizeilichen Führungszeugnis) in ein Punktesystem ist.
Ich fragte auch danach, wie es sich anfühlt, dass überall Kameras sind, die jeden deiner Schritte aufzeichnen. Die verblüffende Antwort war: in China gab es noch nie Privatsphäre. Und die Kameras helfen, Missstände und Vergehen aufzuzeigen bzw. vorzubeugen.
Momentan scheinen die Menschen dort kein Problem mit der digitalen Erfassung zu haben, weil sie wohl mehrheitlich nicht gegen sie, sondern für ihr Wohlergehen genutzt wird.

Jedenfalls klingt das für mich alles irgendwie zu schön um zu funktionieren, ich weiß nicht, ob und wie die das hinkriegen und ob da unter der Teerdecke etwas brodelt.
Ich frag mich auch, ob man so ein Riesenland nicht nur zentral regieren kann. Andererseits, es gibt so viele Experimente wirtschaftlicher und sozialer Art in verschiedenen Regionen das Landes, da gibt es mit Sicherheit auch jede Menge heiße Diskussionen über Richtungsentscheidungen, die letztlich nur im Konsens mit Wirtschaft, Partei und Regierung getroffen werden, sonst wäre das Land nicht so erfolgreich.
Jedenfalls hat das, was ich dort gesehen habe nicht viel zu tun mit dem was in der westlichen Presse über China geschrieben wird.

Letzte Station unserer Reise war Hongkong. Und dort lernte ich etwas über Propaganda. Wir kamen am Vorabend des Nationalfeiertags an und wurden denn auch im Hotel gleich darauf hingewiesen, dass am Folgetag mit Demonstrationen und Ausschreitungen zu rechnen sei. Unser Hotel befand sich im Zentrum der Demonstration und es wurde uns empfohlen, entweder am späten Vormittag das Hotel zu verlassen und erst nach Mitternacht zurückzukehren kommen, oder aber am Nachmittag im Hotel zu bleiben.
Wir wollten natürlich etwas von Hongkong sehen und verließen unser Hotel am Vormittag. Ich hatte eine leichte Magenverstimmung und fühlte mich nicht fit genug um bis Mitternacht herumzulaufen. Deshalb entschlossen wir uns am frühen Nachmittag dann doch wieder ins Hotel zurückzukehren. Die Demonstration, die übrigens nicht genehmigt war, hatte bereits begonnen. Ab und zu waren Sprechchöre zu hören, aber ansonsten sah alles sehr friedlich aus. Wir sind auch ohne Probleme ins Hotel gekommen, waren jedoch schon ein wenig aufgeregt. Durch die Lage des Hotels hatten wir sozusagen einen Logenplatz.
Wir konnten den Demonstrationszug sehr gut von oben sehen. Einige Demonstranten trugen amerikanische Flaggen, das hat uns ein wenig irritiert. Aber die Demo war friedlich und keineswegs spektakulär. Aber dann sah ich, wie sich auf der gegenüberliegenden Seite eine Gruppe Jugendlicher bereit machte: sie zogen sich um, maskierten sich, setzten Helme auf und gruben Pflastersteine aus. Die Steine wurden in Kartons gepackt und an der Straße verteilt, ebenso die Lieferung mit Molotowcocktails, die wohl von einer anderen Gruppe vorbereitet worden waren.
Als die Demo zu Ende war, haben sich auf einmal mehrere solcher Gruppen auf der Straße eingefunden und begannen die Sicherheitskräfte zu attackieren. Es flogen Steine und Brandsätze, das Spezialkommandos der Polizei antwortete mit Tränengas und später auch mit Wasserwerfern. Die Randalierer bauten Barrikaden aus allem, was sie auf der Straße fanden. Als sie dann ein paar Müllcontainer gegenüber von unserem Hotel anzündeten, wurde Feueralarm ausgelöst. Die anrückende Feuerwehr wurde erst nach minutenlangen Verhandlungen zum ziemlich großen Brandherd hinter die Barrikaden gelassen, die sofort wieder geschlossen wurden. Die Randalierer setzten ihren Angriff auf die Sicherheitskräfte fort, die nun ihrerseits weder Tränengas noch Wasserwerfer einsetzten, um die Feuerwehrleute nicht zu gefährden.

Die Hotelgäste versammelten sich also in der Lobby und sahen dem Spektakel draußen zu. Neben mir stand ein Journalist, der das alles filmte und dabei kommentierte. Wir sahen beide das gleiche, aber er berichtete nicht neutral, sondern favorisierte die radikalen Demonstranten. Er sprach vom Kampf junger Hongkonger für die Demokratie, die sich dem brutalen Einsatz der Polizei widersetzte. Ich war fassungslos und er reagierte indigniert und zog sich zurück.
Die Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Randalierern zogen sich bis weit nach Mitternacht hin. Es war die Nacht, in der ein Polizist einen Demonstranten durch einen Schuß mit scharfer Munition verletzte.

Am Morgen danach sah es aus wie auf einem Schlachtfeld.
Irgendwie hat das Ganze für mich nichts mit Demokratie zu tun, es ist wohl eher die übliche Initialisierung einer “Demokratiebewegung”.

Bilder von unserer Reise gibt es hier.

Frames of reference

Summertime in Fitou is always exiting, not only because of the fantastic weather and the Mediterranean but also of all the people and friends coming over. It’s an international bunch of people, very diverse and interesting.
So many backgrounds and experiences resulting quite often in inspiring discussions about life, politics, economics, art, sports, eating, etc.

We all have our frames of reference, a certain way how we react to specific stimuli, how we see the world around us, how we define people and the self. Our construction of reality is meant to safeguard our (inner) self.
At times, we clash with other people’s frames of reference and we feel the need to change ours and thus changing our perceptions, affections and actions 😉
But sometimes, we are just happy when found a similar one because its too demanding or too dangerous for our inner stability.

Brooding about this induced me to this painting.



The Nucleus

The command center, where everything else is getting energy and power from.

The kernel of a cell which contains most of the cell’s genetic material.

The central and brightest part of a comet.

The pieces that formed the center of a collection.

The important buildings which are the center of a city.

The center of all: the Nucleus.

Malerei & Gesang

Kunst ist, zumindest für mich, Ausdruck von Gedanken, Gefühlen und unbewußter innerpsychischer Vorgänge. Sie ist, in welcher Form auch immer geäußert, ob gemalt, in Stein gemeißelt oder gesungen, das Resultat der Auseinandersetzung mit sich selbst und der Welt. Sie ist getrieben vom Wunsch, sich selbst (besser) zu erkennen, denn jeder Zuwachs an Selbsterkenntnis geht einher mit der Erweiterung des Bewußtseins und vergrößert die persönliche Freiheit.
Jeder Mensch sucht und findet sich selbst auf ganz unterschiedliche Weise, über Religion, Meditation, Introspektion oder eben über bildlichen oder verbalen Ausdruck. Das schließt eine gewisse Professionalität bei der Gestaltung von Werken nicht aus, aber der zugrunde liegende Einfall, die – mehr oder weniger – unbewußt getroffene Wahl der Gestaltungselemente wie beispielsweise Farben, Töne, Instrumente zeigt die “Seele” des Künstlers. Es ist ein, für den Künstler oft waghalsiges Unterfangen, sich selbst zu zeigen und damit verwundbar zu machen. Aber es bietet eben auch die Chance, in der Begegnung mit Betrachtern und Zuhörern, sich selbst neu zu sehen.
Mit dem Produkt des Künstlers kann man in Beziehung treten und sich gleichsam damit auseinandersetzen. Man kann etwas schön finden, beruhigend, abstoßend, verstörend, anregend, …und beginnt damit sich selbst zu entdecken. Ent – decken, im Sinne von aufdecken, was im Alltag nur allzuoft verschüttet wird, was wir uns nicht trauen zu zeigen, was wir glauben, wiederfinden was wir mögen, oder auch Erinnerungen, die sehr lang zurückliegen.

Die Kombination verschiedener künstlerischer Ausdrucksformen offeriert dem Betrachter verschiedene methodische Zugänge zur Kunst und sich selbst. Und so ist die wunderbare Idee entstanden, Malerei mit Musik zu verbinden.
Ich erhielt die sehr schöne Gelegenheit, meine Bilder in einer kleinen Ausstellung im Studio stimmgewandt zu zeigen.

Opernsängerin Maria Kier wird zur Eröffnung der Ausstellung zu meinen Bildern singen. Damit bieten wir den Kunstinteressierten und/oder neugierigen Besuchern die Möglichkeit, sich ihren Weg der Erkenntnis selbst auszuwählen: sie können schauen, hören, tanzen, mitsingen oder einfach mit anderen plaudern.

Ich freue mich auf die Ausstellung und hoffe auf viele Anregungen für meinen Weg der Selbsterkenntnis 🙂


Wie das Leben so spielt

Irgendwie haben wir alle einen Lebensplan, bewußt oder auch unbewußt. Also so was in der Richtung wie: wenn ich mal groß bin, dann will ich auf gar keinen Fall Dinge tun, die ich nicht mag, dann werde ich reich und berühmt… etc.

Auf dem Weg dahin unterwerfen wir uns oft mehr oder weniger freiwillig sogenannten Sachzwängen, denen wir, so glauben wir, kaum mehr entrinnen können: ich muß erst den Abschluss machen, Geld verdienen, das Haus bezahlen, die Kinder großziehen, … – aber dann! Dann gehts los mit dem schönen Leben, dann mache ich das, was ich schon immer machen wollte.

Und zack, kommt etwas dazwischen, was man nicht wirklich beeinflussen kann: eine unheilbare Krankheit, eine, die das Leben zunehmend einschränkt bis es viel zu zeitig zu Ende geht. Dann fliegt der ganze schöne Traum auseinander und alles wird nebensächlich. 

Und was dann? Sich an das Leben klammern? Sich allen erprobten und unerprobten Therapien hingeben in der Hoffnung, dass es vielleicht doch noch Rettung gibt? Wie und mit wem Zeit verbringen? Wie lange braucht man, um sich vom Leben zu verabschieden? Geht das überhaupt? 

So einen Prozess beobachte ich gerade in meinem unmittelbaren Freundeskreis und es macht mich sehr traurig. Mein Verstand und mein Gefühl liegen hier nicht auf einer Wellenlänge. Ich fühle mich hilflos.

10 Tage in Südvietnam

So langsam fangen wir endlich an zu reisen und diesmal haben wir uns auf den Weg nach Ho Chi Minh City (HCMC) gemacht, denn Isa und Dick sind seit ein paar Monaten in Südostasien unterwegs und wir wollten uns mit ihnen irgendwo dort für ein paar Tage treffen. Jetzt ist Vietnam nicht gerade um die Ecke und für so eine kurze Dauer ist die Anreise auch relativ aufwendig (Barcelona-London-Doha-HCMC und zurück), aber es hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt. Mein “Inspiration Tank” ist wieder aufgefüllt 🙂

Ich war zuvor noch nie in diesem Teil der Welt und wußte nicht so recht, was mich dort außer hoher Luftfeuchtigkeit und warmen Temperaturen (was übrigens sehr angenehm war) erwartet.
Wir sind morgens in HCMC angekommen, mitten im Berufsverkehr und ich habe mich wie in einem großen Ameisenhaufen gefühlt. Unzählige Mopeds, wirklich unzählige, sind auf den Straßen (und Fußwegen) in alle Richtungen unterwegs. Wenn man als Fußgänger eine Straße überqueren will, muß man einfach loslaufen, die passen schon auf dass sie dich nicht umfahren. Ich habe nicht einen einzigen Unfall gesehen. Begleitet wird das Ganze von einer immensen Geräuschkulisse und Abgaswolke. Ich habe sofort verstanden, warum viele Menschen eine Atemschutzmaske tragen.

Der öffentliche Nahverkehr ist sehr gut organisiert, die Fernbusse super bequem, man reist im liegen.

5G Internet gibts überall und entsprechende Services dazu.

Die Luftverschmutzung und den Müll auf den Straßen fand ich ehrlich gesagt unglaublich. Sobald man in eine Wohnung, ein Geschäft, Suppenküche oder Restaurant geht, ist alles blitzeblank sauber. Dieser Widerspruch hat mich ziemlich verstört. Das Land hat kaum Kapazitäten um den Müll zu sammeln, zu verarbeiten und zu verbrennen. Aber es gibt einen Plan, allerdings ist derzeit wohl  kein oder zu wenig Geld für Investitionen vorhanden um diesen Plan auch zu realisieren.

Das Land versinkt im Plastikmüll! Das ist ein riesiges Problem und hat mich ziemlich wütend gemacht. Ich meine, es wäre doch relativ einfach, nur noch Elektroroller zuzulassen und Plastiktüten zu verbieten.

HCMC

Die Stadt hat ungefähr 9 Millionen Einwohner und schätzungsweise 7 Millionen Mopeds sowie 700.000 Autos sind täglich in dieser Stadt unterwegs. Ein Moped können sich viele leisten, ein Auto ist etwas für Reiche und Funktionäre, sagte uns ein Einheimischer.

Ho Chi Minh City platzt aus allen Nähten. Es entstehen komplett neue Stadtviertel, Lücken werden bebaut und für das gesamte Land sind 500 Wohnhochhäuser à 500 Wohnungen bis 2020 geplant zu bauen. Wir haben in einem dieser gerade fertiggestellten Hochhäuser (50 Etagen!) in einem doch recht luxuriösem Apartment übernachtet, mit einem phantastischem Blick über die Stadt.

Es macht Spaß einfach so durch die Stadt zu laufen, trotz Umweltverschmutzung.
Im chinesischen Viertel mit seinen kleinen Gassen und den schmalen, hohen Häusern sind noch die Einflüsse der Stadtgestaltung aus der französischen Kolonialzeit sichtbar.

Im 1. Bezirk stehen u.a. Partei-und Verwaltungsgebäude, schöne Paläste aus der Kolonialzeit und die wichtigsten Museen der Stadt. Wir haben uns die Ausstellungen und Galerien im Museum für Moderne Kunst angeschaut. Dort habe ich auch Lackmalereien gesehen und ein wenig über diese Maltechnik herausgefunden. Im Laden der Kunsthochschule hab ich mir dann auch die wichtigsten Materialien und Werkzeuge gekauft damit ich das ausprobieren kann.

Das Kriegsmuseum hat mich sehr beeindruckt. Die Ausstellung zeigt eigentlich nur Fotos, Augenzeugenberichte in Schrift und Video und die von den USA verwendeten Waffen. Ich war oft den Tränen nahe und manche dieser Bilder und Berichte konnte ich mir nicht anschauen, das war kaum auszuhalten. Ähnliches habe ich bisher nur in Auschwitz gefühlt.
Ein paar Tage später haben wir uns noch die Tunnel von Cu Chi angeschaut, sind selber hineingekrochen um wenigstens einigermaßen eine Vorstellung davon zu bekommen, was die Vietcong da gebaut haben. Zwar waren sie von der Ausrüstung her den Amerikanern weit unterlegen, aber moralisch waren sie ihnen weit überlegen.

Can Tho

Wir sind rechtzeitig vor dem Taifun aus HCMC abgereist und haben ein paar Tage im Mekong Delta verbracht. In einer kleinen Pension in Can Tho, der größten Stadt im Delta haben wir gewohnt und von dort die Gegend erkundet. Mit dem Boot sind wir zum noch immer größten schwimmenden Markt gefahren. Es gab und gibt viele dieser schwimmenden Märkte im Delta, wo die heimischen Bauern ihre Erzeugnisse sowohl an Groß-und Einzelhändler wie auch Privatleute verkaufen.

So pittoresk das Schauspiel für Touristen auch sein mag, die Probleme des Deltas und der äußerst intensiv betriebenen Landwirtschaft lassen erahnen, was da auf die Bewohner zukommt.

Im Delta werden über 50% des Reises und ein Großteil des Obst und Gemüses Vietnams produziert. Wetterkatastrophen, sinkender Wasserspiegel durch Staudämme in China und Kambodscha, Erosion der Ufer und das Eindringen von Salzwasser bedrohen das ökologische wie auch ökonomische Gleichgewicht in dieser Region.  Um Ertragsverluste in der Landwirtschaft und Fischzucht auszugleichen, wird mehr gedüngt und bewässert, die Fisch- und Shrimpszucht mit allerlei Chemie gepusht. Viele kleinere Kanäle sind schon heute so verschmutzt, dass dort kaum noch Leben ist. Es scheint ein Teufelskreis zu sein, aber ein von Menschen gemachter.

Teilweise ist es schon absurd zu sehen, wie die Menschen dort mit der Natur, ihrer unmittelbaren Lebensgrundlage umgehen. Der Bootsführer muß alle 20 Minuten anhalten um die Motorschraube vom Plastikmüll zu befreien, nur um selbigen wieder ins Wasser zu werfen. Gleichzeitig preist er die Natur und Pflanzenvielfalt und bedauert, dass es kaum noch Flusspferde und Krokodile gibt.

Am nächsten Tag haben wir uns Roller ausgeliehen und sind in ein paar Dörfer nördlich von Can Tho gefahren. Wir waren auf der Suche nach zwei sogenannten Craft Villages, Dörfern in denen die berühmten Kegelhüte (Non La) und Reispapier hergestellt werden. Die Hutmacher haben wir nicht gefunden und die Herstellung des Reispapiers haben wir auch nicht wirklich gesehen, dafür aber gekostet. Als wir nämlich ein wenig hilflos am Straßenrand standen und Google Maps durchsuchten, hat uns eine Familie zu sich eingeladen. Die war gerade nach einem üppigen Lunch beim Reiswein (den ich eher als Schnaps bezeichnen würde) angelangt und entsprechend fröhlich. Natürlich mußten wir mit ihnen anstoßen und die Frau des Hauses hat uns leckere Bananenreisfladen serviert. Der Mann hat die Schönheit seiner Tochter gepriesen und war sichtlich angetan von Dick. Nach einer Weile hatten wir den Eindruck, dass er ihm seine Tochter offerierte.
Es scheint ein durchaus gängiges Geschäftsmodell zu sein 😉
Dieser Eindruck hat sich noch verstärkt, als wir eines Abends durch das Backpackerviertel gelaufen sind und überall sehr schöne, leicht bekleidete Frauen nach westlichen Männern Ausschau hielten. Ich weiß, das dass eine euphemistische Beschreibung ist für das was da wirklich geschieht.

Fazit

Vietnam boomt, unter kommunistischer Führung entwickelt sich ein entfesselter Kapitalismus mit all seinen Vor- und Nachteilen. Natürlich ist es ein Vorteil, wenn mehr Menschen in einigermaßen guten Häusern leben, wenn sie mehr Geld verdienen, wenn sie sich den Luxus eines Motorrollers, Mobiltelefone leisten können und so mobil werden, am Leben teilnehmen können. Das, was hier Luxus ist, ist für uns aus der reichen westlichen Welt selbstverständlich.

Aber auch wenn sich für die Masse das Lebensniveau erhöht, die Kluft zwischen arm und reich wächst atemberaubend schnell und ist so unglaublich groß, dass ich mich frage, wie lange so etwas gut geht, wie lange bleiben die Menschen noch freundlich und offen und unterstützen sich gegenseitig, wann kippt das, wann werden sie gierig und egoistisch, wo ist die Grenze zwischen genug und Überfluss?

Aber, ich will da auf jeden Fall wieder hin…

 

Familienstammbaum

Seit ich vor einem halben Jahr beschlossen hatte, die Geschichte unserer Familie aufzuschreiben, war mir nicht klar, wie aufwendig das sein würde.
Ich habe mittlerweile so viele Geschichten und von Familienmitgliedern gehört, die ich vorher noch nicht kannte, aber auch viele meiner Erinnerungen sind wieder wach geworden. Da geistert eine Menge in meinem Kopf herum und es ist richtig Arbeit, das alles zu ordnen.

Ich habe also angefangen, die Familienmitglieder zu sortieren, diese zueinander in Relation zusetzen, also einen Familienstammbaum zu schreiben und bin dabei recht schnell an die Grenzen der verständlichen Darstellung gekommen. Auf der Suche nach Web Applikationen bin ich recht schnell auf das Universum der Genealogie gestoßen, und da tun sich schon Dinge auf, die ich gar nicht näher kommentieren möchte. Nur soviel: alles, was einigermaßen gut funktioniert, kostet Geld. Aber mein persönlicher Open Source Spezialist ist bei webtrees fündig geworden. Das Programm ist zwar nicht so sophisticated, aber einfach zu benutzen und tut, was es soll.

Na ja, das ist der Stammbaum, aber die mit den einzelnen Personen verbundenen Geschichten sind die andere Seite meines Projekts. Da werde ich bestimmt noch viel Zeit mit verbringen.
Besonders, wenn man die Geschichten in einen historischen Zusammenhang einordnet und darüber recherchiert, werden sie immer interessanter und immer mehr Fragen tauchen auf.

Du Ursprünge unserer Familie lassen sich sieben Generationen zurück verfolgen, also bis ungefähr bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Ich stamme übrigens aus einer Familie von Bauern, Handwerkern und Hausfrauen ab 😉 Der erste, der einen höher qualifizierten Beruf ausübte war mein Großvater. Er war Druckermeister.

Erstaunt hat mich, wieviel ich selbst vergessen hatte und auch, woran sich die Menschen meiner großen Familie erinnern. Auch fand ich es unglaublich, wie sie doch alle mehr oder weniger immer Kontakt zu einander hielten, trotz der mit den beiden Weltkriegen verbundenen Katastrophen.

Wir brauchen ein neues Auto

Unser Renault Kangoo ist in die Jahre gekommen (9!) und hat viele Kilometer auf dem Tacho (230 000). Wir haben kaum bemerkt, wie lange wir ihn schon besitzen. Na ja, wenn ich mich auf den Straßen so umschau, dann sieht er ein wenig aus der Zeit gefallen aus. Das Design ist eher gestrig, die Sitze sind jetzt nicht so bequem, dass man damit um die Welt fahren mag. Aber er hat viel Platz und verbraucht relativ wenig (so 5-6 Liter Diesel auf 100km/h). Er hat uns immer überall hingebracht, alles transportiert und gezogen was wir so in unseren Bau geschleppt haben. Wir haben sogar einige Male darin geschlafen als nix anderes möglich war. Niemals hatten wir ein Problem mit ihm. Continue reading “Wir brauchen ein neues Auto”

Es geht auch anders

Völlig utopisch heißt das Buch, welches ich in den letzten Tagen gelesen habe. Es ist eine Sammlung von utopischen Lebensentwürfen aus 17 Ländern, aufgeschrieben von Korrespondenten des Netzwerks Weltreporter. 

Der Duden bezeichnet eine Utopie als einen als undurchführbar erscheinenden Plan, als Idee ohne reale Grundlage.
Nachdem ich diese Geschichten gelesen hab, erscheinen sie mir nicht wirklich als utopisch, sie sind vielmehr ein Versuch, ein selbstbestimmtes Leben, fernab vom Mainstream zu führen. 

Ob initiiert von Einzelnen oder Gruppen, alle diese Menschen haben sich entschieden utopisch anmutende Lebensentwürfe zu realisieren um ein Leben nach eigenen Regeln zu führen. So verschieden die soziale Herkunft auch sein mag, allen geht es um ein Leben in Würde, um soziale Gerechtigkeit und ökologische Integrität. Es sind Geschichten von Menschen die in gnadenlos geldgierigen Gesellschaften gescheitert sind, die um ihr Überleben und ihre Unabhängigkeit kämpfen, von Menschen auf der Sinnsuche abseits des auf stetigen Wachstum basierenden Wirtschaftssystems.  

Mit diesen relativ kleinen, begrenzten Aktionen stellen sie bestehende Verhältnisse in Frage, wenn nicht gar auf den Kopf. Das ersinnen und leben von Alternativen, abseits von Ideologien ist in der Summe natürlich gefährlich für auf Eigennutz und Kontrolle basierenden Gesellschaften und so ist es nicht verwunderlich, solche Visionen als naiv, utopisch und nicht realisierbar abzustempeln und zu verleumden.

Mich haben diese Geschichten sehr berührt. Mit den Worten “es geht auch anders” und “willst du so sein wie alle?” bin ich aufgewachsen. Ich habe schon früh gelernt, nicht alles einfach so hinzunehmen sondern immer darüber nachzudenken, welche Motive und Auswirkungen hinter Aussagen und Vorhaben stecken.
Alles in Frage zustellen macht das Leben nicht unbedingt einfacher, aber reicher, entdeckt man doch so viele Alternativen, die es wert sind zu leben 😉