Wir brauchen ein neues Auto

Unser Renault Kangoo ist in die Jahre gekommen (9!) und hat viele Kilometer auf dem Tacho (230 000). Wir haben kaum bemerkt, wie lange wir ihn schon besitzen. Na ja, wenn ich mich auf den Straßen so umschau, dann sieht er ein wenig aus der Zeit gefallen aus. Das Design ist eher gestrig, die Sitze sind jetzt nicht so bequem, dass man damit um die Welt fahren mag. Aber er hat viel Platz und verbraucht relativ wenig (so 5-6 Liter Diesel auf 100km/h). Er hat uns immer überall hingebracht, alles transportiert und gezogen was wir so in unseren Bau geschleppt haben. Wir haben sogar einige Male darin geschlafen als nix anderes möglich war. Niemals hatten wir ein Problem mit ihm. Continue reading “Wir brauchen ein neues Auto”

Es geht auch anders

Völlig utopisch heißt das Buch, welches ich in den letzten Tagen gelesen habe. Es ist eine Sammlung von utopischen Lebensentwürfen aus 17 Ländern, aufgeschrieben von Korrespondenten des Netzwerks Weltreporter. 

Der Duden bezeichnet eine Utopie als einen als undurchführbar erscheinenden Plan, als Idee ohne reale Grundlage.
Nachdem ich diese Geschichten gelesen hab, erscheinen sie mir nicht wirklich als utopisch, sie sind vielmehr ein Versuch, ein selbstbestimmtes Leben, fernab vom Mainstream zu führen. 

Ob initiiert von Einzelnen oder Gruppen, alle diese Menschen haben sich entschieden utopisch anmutende Lebensentwürfe zu realisieren um ein Leben nach eigenen Regeln zu führen. So verschieden die soziale Herkunft auch sein mag, allen geht es um ein Leben in Würde, um soziale Gerechtigkeit und ökologische Integrität. Es sind Geschichten von Menschen die in gnadenlos geldgierigen Gesellschaften gescheitert sind, die um ihr Überleben und ihre Unabhängigkeit kämpfen, von Menschen auf der Sinnsuche abseits des auf stetigen Wachstum basierenden Wirtschaftssystems.  

Mit diesen relativ kleinen, begrenzten Aktionen stellen sie bestehende Verhältnisse in Frage, wenn nicht gar auf den Kopf. Das ersinnen und leben von Alternativen, abseits von Ideologien ist in der Summe natürlich gefährlich für auf Eigennutz und Kontrolle basierenden Gesellschaften und so ist es nicht verwunderlich, solche Visionen als naiv, utopisch und nicht realisierbar abzustempeln und zu verleumden.

Mich haben diese Geschichten sehr berührt. Mit den Worten “es geht auch anders” und “willst du so sein wie alle?” bin ich aufgewachsen. Ich habe schon früh gelernt, nicht alles einfach so hinzunehmen sondern immer darüber nachzudenken, welche Motive und Auswirkungen hinter Aussagen und Vorhaben stecken.
Alles in Frage zustellen macht das Leben nicht unbedingt einfacher, aber reicher, entdeckt man doch so viele Alternativen, die es wert sind zu leben 😉

Ein Kessel Buntes

Wir wohnen da, wo andere Urlaub machen. Entsprechend voll ist es hier auch momentan und eigentlich, wollten/sollten auch wir einfach nur Urlaub machen.
Aber wie so oft, haben wir dermaßen viel zu tun, dass wir es nur zwei-dreimal die Woche für kurze Zeit an den Strand schaffen.
Ja ja, das liegt an uns selbst und wir könnten das auch selber ändern, aber irgendwie kriegen wir das im Kopf nicht hin 😉 Noch nicht. Heute Morgen haben wir das Jahr 2024 zum Trödeljahr erklärt, bis dahin wollen wir alles fertig gebaut haben.

Vergangene Woche hab ich mal wieder gemauert. Die große Trennwand, die verstärkt werden muß durch eine stabile Steinmauer aus Ziegelsteinen. Jetzt bin ich endlich in der letzten Etage angekommen und muß schätzungsweise nur noch 300 Steine vermauern. Das ist echt schwere Arbeit, jeder Stein wiegt 8 kg, dazu muß ich noch den Mörtel anrühren und das Material dahin tragen wo ich es brauche. Am Anfang geht das ja noch, aber so ab der fünften Reihe muß ich aufs Gerüst klettern. Das hält zwar fit, aber ist auch ziemlich anstrengend. Ich hoffe, dass ich die Mauer bis Ende nächster Woche fertig bekomme.

Mauern selber ist jetzt nicht so eine geistige Herausforderung, aber dafür kann ich dabei so wunderbar nachdenken:

Über das Alter

Mittlerweile brauche ich eine Brille, um mich zu schminken und dabei sehe ich plötzlich all die vielen kleinen Falten in meinem Gesicht und an meinem Körper.
Dabei habe ich doch fast 40 Jahre gebraucht um mein Äußeres zu mögen und jetzt sind die Haare grau und ich hab überall Falten. Das sind, zugegebenermaßen relativ geringfügige Probleme, denn es geht mir gut, ich bin fit, gesund und glücklich und kann machen was ich will 🙂

Allerdings überlege ich mir schon, ob ich in 20 Jahren noch immer so leichtfüßig alle Treppen in unserem Haus hoch und runterkomme oder ob es nicht vielleicht besser wäre, wenn wir uns ein ebenerdiges Haus bauen. So ein richtig modernes, abgedrehtes, gut in die Gegend passendes Haus mit großem Garten direkt vor der Tür wo ich dann bis ins hohe Alter rumwerkeln kann. Aber das braucht mindestens die nächsten 6-8 Jahre, bis alles so ist, wie wir das haben wollen. 

Wäre es dann nicht besser, einfach das Leben in unserem jetzigen, sehr schönen Haus und Garten zu genießen, zu reisen und all die Dinge zu bauen, die ich schon immer mal bauen wollte? Wenn ich (wir) dann tatsächlich, so ab 80 die Treppe nicht mehr steigen kann, dann können wir die Hütte ja immer noch verkaufen und woanders hinziehen.

Über den Tod

In den letzten Wochen sind ein paar ältere Leute hier aus Fitou “verschwunden”. Die meisten haben allein gelebt, sind schon sehr alt und zunehmend gebrechlich geworden. Ich konnte sehen, wie es für sie immer schwieriger wurde allein zurecht zu kommen. Und irgendwann ging es nicht mehr und sie mußten dann in ein Pflegeheim gehen. Keiner von den alten Leuten wollte jemals in ein solches Heim, aber keiner aus deren Familien ist in der Lage, immer bei ihnen zu sein, so dass die Unterbringung in ein solches Heim unumgänglich schien. Und da sind sie jetzt und leben, aber eben auch nicht mehr wirklich. 

Für alle Beteiligten ist das eine schwierige und traurige Situation und jeder sagt, so möchte ich nicht mein Leben beenden. Aber wie dann? Ich meine, man kann ja nicht einfach so beschließen: so, jetzt ist es genug, jetzt will ich sterben und dann ist es vorbei. Ein selbstbestimmter Tod ist gesellschaftlich nicht wirklich akzeptiert, zumindest hier nicht. Das ist ein schwieriges Thema. 

Ich hoffe, dass mir so etwas nicht passiert und ich in der Lage sein werde, mein Lebensende selbst zu bestimmen.

Über Orwellsche Umdeutungen

Mir fällt auf, dass, wenn ich mit anderen diskutiere, vielen Worten heute eine andere Bedeutung gegeben wird, als früher (als ich noch jung war). Ein solcher Begriff ist Vertrauen. 

Es gibt eine Menge Leute, die glauben, dass man mit perfekt logischen, technischen Abläufen alle Risiken ausschalten und somit das Vertrauen der Anwender/Benutzer gewinnen kann. Das meint, man soll technischen Abläufen, Algorithmen vertrauen. Selbst wenn man alle Parameter gemessen, eingestellt und berechnet hat, bleibt doch immer noch das Risiko, dass etwas unvorhergesehenes, durch menschlichen Einfluß hervorgerufenes, geschieht. 

Vertrauen hat meiner Meinung nach, etwas mit menschlichem Verhalten zu tun und es kann niemals hundertprozentig berechnet werden. Wem ich heute vertraut habe, dem kann ich doch nicht morgen ebenso blindlings vertrauen, sondern muß doch immer wieder meine “Parameter” überprüfen und mich neu entscheiden, ob ich vertraue. Das ist doch eigentlich unkalkulierbar, und hängt immer vom sozialen Verhalten der beteiligten Personen ab, oder?

Hagen liest gerade das Buch “Vertrauen” von Luhmann und natürlich diskutieren wir intensiv darüber. Luhmann schreibt, dass Vertrauen letztlich auf Täuschung beruht, denn man kann eben Entscheidungen nicht zu Hundertprozent rational treffen, sondern da gibt es immer einen unkalkulierbaren, schwer zu definierenden Einfluß, der uns letztlich entscheiden läßt. Man kann das Intuition nennen, oder das bewußt-unbewußte, was wir irgendwo tief in uns gespeichert haben. Eine Täuschung ist es vielleicht dann, wenn wir nicht das gewünschte Ergebnis erhalten, unser Vertrauen also nicht gerechtfertigt wurde. Dann müssen wir uns ent-täuschen.
Irgendwie ist das Thema noch nicht rund für mich, mal sehen, wie es bei Luhmann weiter geht.

Das sind schwere, aber interessante Themen. Ich muß jetzt unbedingt an den Strand und erstmal eine Runde Wellenschlaf machen.

Ein schönes, luxuriöses Leben

Ein schönes, luxuriöses Leben definiert ein jeder/jede für sich selbst und so verschieden die Lebensumstände, so verschieden sind wahrscheinlich auch die Ansichten darüber, was dazu gehört. So hin und wieder, besonders immer dann, wenn wir mit vielen, doch sehr verschiedenen Menschen ins Gespräch kommen, werde ich nachdenklich und überdenke meine Definition von einem schönen, luxuriösen Leben. Dabei fällt mir auf, wieviele Menschen sich über Dinge definieren und anscheinend permanent auf der Jagd nach etwas sind, was der Nachbar/Bekannte/Verwandte/Freund schon hat. Sie glauben tatsächlich, dass dann ihr Leben schön wird, wenn sie sich mit ausgefallenen, oft auch teuren Dingen umgeben. (Auf der Suche nach einem Titelbild hier auf Pixabay bekommt man, wenn man Luxus eingibt, überwiegend Bilder von Autos, Diamanten, schönen Frauen in schönen Kleidern, Yachten, Immobilien und Mode.)
Luxus wird also mit der Menge an Geld gleichgesetzt, die man für etwas aufwendet. Continue reading “Ein schönes, luxuriöses Leben”

Summertime

Summer gets very busy in Fitou. Many cultural events are taking place, seasonal residents are coming over to spend their holidays and meet their friends, and of course, lots of parties. You could easily spend every evening at another event, sometimes it’s becoming difficult when you still need to work a bit during the day.

Anyway, we dived into the social life last week. We had a nice dinner with some friends, spent another two nights of very passionate discussions about life, jobs & politics with our old neighbour friends which we haven’t seen since 12 years!
Than there was the opening of the summer exhibition at L’Atelier in La Palme, where I am showing some of my paintings among other artists. On top of all this, we went to an unusual jazz – accordion-saxophone concert in La Chapelle de Fitou.

Now I am sitting here at the exhibition space, a bit tired, rethink about all the encounters and discussions and talk with visitors of the exhibition.
This expo is special because of the diverse objects. It is the proud presentation of the work the association members produced at their workshops during last year. Additional to that, two external artists are invited to show their work (and one of them is me :-))

The atmosphere is very friendly and welcoming, people enjoy spending time together and creating something arty are keen to learn about art techniques and art itself. It is a very unpretentious approach to art.
I find it always interesting to see how people react to art, and also to notice what reactions art evokes in me.
On many works, I just pass by, some things make me recoil, others make me laugh, touches me and some things are just beautiful. Difficult to explain, it always has something to do with what lies deep inside us 😉
I got nice comments on my pictures, some visitors felt challenged to see something concrete and wanted to know if this coincides with intentions. One visitor asked me a little indignantly why I painted a pink rectangle in this beautiful structure, it would destroy the beautiful random order. That made me smile, it was exactly what I wanted to achieve with it.
I like these conversations, somehow it is also one of the wonderful things that art brings people together, although the creative process is a very lonely, very personal process, at least for me.

I need these breaks, where I can just work without many social interactions, and then I like to join the hubbub again.
Now it’s definitely time for a break, on the beach, of course 🙂

Hilfe, ein Geschenk

Ein alljährlicher Dialog:

A: Wir haben ja bald beide Geburtstag. Wollen wir da was Schönes machen?

B: Ja, wir könnten lecker essen gehen, ins ….?

A: Ja, gerne. Aber wir schenken uns nichts, oder?

B: Hmm, mal sehen.

A: Ich hab ja alles, du mußt mir nichts schenken.

B: Ich weiß, dass ich dir nichts schenken muß. Aber vielleicht möchte ich dir ja etwas schenken?

A: Aber warum denn? Ich hab doch auch kein Geschenk für dich.

B: Ich möchte dir eine Freude machen. Du mußt mir nichts schenken.

A: Aber wenn du mir etwas schenkst, ist das doch doof.

B: Wieso ist das doof, wenn ich dir etwas schenken möchte? Das macht mir doch auch Spaß und ich freue mich, wenn ich dir eine Freude machen kann.

A: Hmm.

B: Vielleicht freust du dich ja über ein Geschenk von mir?
Wenn ich dir etwas schenke, bedeutet es nicht, dass du mir auch etwas schenken mußt.

A: Wünschst du dir etwas?

B: Ich wünsche mir nichts, auch ich hab alles. Aber wenn du eine schöne Überraschung für mich hast, freue ich mich bestimmt.

A: Ach menno, gib mir doch wenigstens einen Tip. Ich bin sowieso schon so im Stress.

B: Ich will dir keinen Stress machen, ich erwarte kein Geschenk von dir. Laß uns einfach lecker essen gehen.

A: Dann schenken wir uns also nichts?

B: Mal sehen.

 

 

 

Von Zuwendungen und Erwartungen

Wir alle brauchen Aufmerksamkeit, Zuwendung und Liebe, es ist ein Grundbedürfnis des Menschen. So weit so gut, so einleuchtend. Jedoch ist die Art, wie uns Zuwendung widerfährt entscheidend dafür, wie wir Beziehungen zu anderen Menschen gestalten. Es ist ein hochkomplexes Geflecht von moralischen Verpflichtungen, Bedingungen, Erwartungen und Emotionen. Zuwendung ist für unser Wohlbefinden so notwendig, dass wir sogar negative Zuwendung, wie beispielsweise Schläge, Hohn, Spott und Hass, in Kauf nehmen, als gar keine Zuwendung. Ich will hier einmal versuchen diese Abhängigkeiten ein wenig aufzudröseln. Continue reading “Von Zuwendungen und Erwartungen”

A lost world

Currently, we are renovating an old house for, and partly with, our daughter and her husband. It’s hard work and sometimes, I am so tired after a day, that only a warm bath or, if the weather allows it, laying on the beach brings me back to life.
After all these years in management positions, I have to say that I prefer now this kind of work. Restoring a house also needs a lot of organisational and project management skills, and a great ability to learn new things in short time. I really love this work, it’s satisfactory to build something which remains a long time, which is useful and beautiful. Continue reading “A lost world”

Familiengeschichten

igorovsyannykov / Pixabay

Vergangene Woche war ich auf Reisen, für ein paar Tage war ich in der Stadt in der ich aufgewachsen bin. Ich habe meinen Vater besucht und zwei Tage, nahezu ununterbrochen, mit ihm über sein Leben, seine Lebensgeschichte und die seiner/unserer Familie gesprochen. Unsere Familiengeschichte ist beeinflußt durch dramatische Ereignisse, eine Geschichte verpaßter und nicht vorhandener Möglichkeiten, von Krieg und Gewalt. Das hat alle Mitglieder dieser Familie über Generationen hinweg geprägt.
Natürlich haben wir schon öfter über einzelne Geschehnisse gesprochen, aber ich hatte in meinem Kopf bisher nur Continue reading “Familiengeschichten”