Macht & Ohnmacht

Museu DaliBei den meisten Menschen ruft das Wort Macht negative Assoziationen hervor, haben wir doch alle mehr oder weniger erfreuliche Erfahrungen mit Macht, im privaten, beruflichen oder öffentlichen Umfeld gemacht. Ich will einen neutralen Blick wagen und die Erscheinungsformen von Macht sowie die Entstehung von Ohnmacht versuchen zu erklären.

Also, was ist Macht und was macht Macht?
Es gibt verschiedene Definitionen des Begriffs, ich möchte Macht definieren als die Fähigkeit, Einfluß auszuüben, auch gegen den Willen anderer. Macht kann also Dinge, Prozesse, Menschen beeinflussen und dabei mit deren Interessen konform sein oder auch gegen deren Interessen wirken. Je mehr man gegen die Interessen anderer vorgehen will, desto stärker müssen die Mittel zur Durchsetzung des Einflusses sein.
Macht hat verschiedene Erscheinungsformen:

  1. Legitimierte Macht, welche durch formelle Strukturen zugewiesen ist, beispielsweise gebunden an Positionen in einer Gesellschaft oder in Organisationen. Menschen in einer legitimierten Machtposition
    • haben die Möglichkeit per Zwang etwas durchzusetzen (richterliche Anordnung, Gesetz, Strafen, etc.)
    • verfügen über Resourcen mittels derer man über andere bestimmen kann (Rohstoffe, Geld, Verbündete, Wählerstimmen, Militär)
    • sind in einer Position in einer Organisationsstruktur und verfügen damit über die dieser Position innewohnenden gesetzlichen oder traditionellen Machtmittel
    • können physische oder psychische Belohnungen gewähren (Beeinflussung des Status einer Person, Gehaltserhöhung, Zuwendungen, etc.)
  2. Persönliche Macht basiert auf Erfahrungen, Wissen (Expertenmacht), Charisma, Beziehungen und kann nicht zugewiesen werden, sondern ist einer Person inherent. Sie beruht auf dem Talent andere dazu zu bringen sich zu engagieren, andere zu inspirieren, sich für etwas einzusetzen und äußert sich auch durch eine soziale Kompetenz, d.h. der Fähigkeit soziale Beziehungen mit Empathie, Respekt, Fürsorge zu gestalten.
    Personen mit dieser Macht haben eine hohe kommunikative Kompentenz, und sind in der Lage Vertrauen aufzubauen und zu erhalten, kurz gesagt, solche Personen verfügen über Charisma. Durch Expertenwissen können Sie mit Sachkompetenz, Informationen und Wissen andere beeinflussen.

Es ist wichtig zwischen Machtgefühl und Selbstsicherheit auf der einen Seite und Machtgebahren und Machtmissbrauch auf der anderen Seite zu unterscheiden. Das Letztere resultiert immer aus einer Abwehrposition von Ohnmacht und beinhaltet eine Abwertung anderer (Feinde, Schwächlinge, manipulierbar) oder das Gefühl von Abhängigkeit und Unterlegenheit.
Außerdem ist es wichtig zu erkennen, ob das Gefühl von Ohnmacht aus realen Begrenzungen oder aus eingeschränkten Denken, Fühlen und Verhalten resultiert.

Vertrauen in sich und die Welt gibt ein Gefühl von Macht und Selbstbewußtsein, aber auch, dass realistische Wahrnehmen und Respektieren der eigenen Grenzen.

Kein Mensch kann auf Dauer mit dem Gefühl existenzieller Ängste, mit dem Gefühl ohne Hilfe und Hoffnung zu sein, leben. Um diesem Gefühl zu begegnen, versuchen Menschen Kontrolle über sich und andere zu erringen und aufrecht zu erhalten. Im Ergebnis dieses Bemühens kommt es zu Machtkämpfen als Kompensation der ursprünglichen Hilflosigkeit. Durch das Verleugnen der eigenen Hilflosigkeit und der Unfähigkeit, Hilfe anzunehmen, mündet die Abwehr von Ohmachtsgefühlen in letzter Konsequenz in Gewalt gegen sich und andere.

Wie aber geht man nun am besten mit Macht um ohne in Ohnmacht zu fallen? Zunächst einmal ist es hilfreich, Macht anzuerkennen, s.o.: realistisches Wahrnehmen eigener Grenzen und Respekt gegenüber anderen. Das bedeutet nicht Unterwerfung und dass die Mächtigen über den Wert anderer Menschen bestimmen. Jeder Mensch gibt sich seinem Wert selbst, den hat er schon durch sein bloßes Dasein.

Mein Leitspruch im Umgang mit Macht:

Der wirksame Umgang mit Macht resultiert aus innerer Unabhängigkeit.

 

 

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Der Herbst des Patriarchen – Gabriel Garcia Marquez

Es bedarf schon einiger Geduld und nicht nachlassenden Interesses diese beispielhafte Schilderung lateinamerikanischer Diktatoren zu lesen. Beschrieben wird nicht ein einzelner Diktator, sondern viel mehr die Essenz diktatorischen Verhaltens vom Aufstieg zur Macht über den Machterhalt bis zum Ende durch den Tod, und, wie externe politische Kräfte damit umgehen.

Dabei ist die literarische Form sehr ungewöhnlich. Es gibt kaum Abschnitte, keine Dialoge oder dergleichen und der längste Satz dieses Buches endet nach 51 Seiten. Aber es ist genial.

Hier meine Lieblingszitate daraus:

Die Armen, sie werden immer und ewig am Arsch sein, daß, wenn eines Tages Scheiße einen Marktwert hat, die Armen ohne Arschloch geboren werden.

Man lebt nicht, man überlebt und lernt zu spät, daß sogar die ausgedehntesten und nützlichsten Leben nicht für mehr ausreichen als fürs Erlernen des Lebens.

Die Lüge ist bequemer als der Zweifel, nützlicher als die Liebe, dauerhafter als die Wahrheit.