Frames of reference

Summertime in Fitou is always exiting, not only because of the fantastic weather and the Mediterranean but also of all the people and friends coming over. It’s an international bunch of people, very diverse and interesting.
So many backgrounds and experiences resulting quite often in inspiring discussions about life, politics, economics, art, sports, eating, etc.

We all have our frames of reference, a certain way how we react to specific stimuli, how we see the world around us, how we define people and the self. Our construction of reality is meant to safeguard our (inner) self.
At times, we clash with other people’s frames of reference and we feel the need to change ours and thus changing our perceptions, affections and actions 😉
But sometimes, we are just happy when found a similar one because its too demanding or too dangerous for our inner stability.

Brooding about this induced me to this painting.



Es geht auch anders

Völlig utopisch heißt das Buch, welches ich in den letzten Tagen gelesen habe. Es ist eine Sammlung von utopischen LebensentwĂŒrfen aus 17 LĂ€ndern, aufgeschrieben von Korrespondenten des Netzwerks Weltreporter. 

Der Duden bezeichnet eine Utopie als einen als undurchfĂŒhrbar erscheinenden Plan, als Idee ohne reale Grundlage.
Nachdem ich diese Geschichten gelesen hab, erscheinen sie mir nicht wirklich als utopisch, sie sind vielmehr ein Versuch, ein selbstbestimmtes Leben, fernab vom Mainstream zu fĂŒhren. 

Ob initiiert von Einzelnen oder Gruppen, alle diese Menschen haben sich entschieden utopisch anmutende LebensentwĂŒrfe zu realisieren um ein Leben nach eigenen Regeln zu fĂŒhren. So verschieden die soziale Herkunft auch sein mag, allen geht es um ein Leben in WĂŒrde, um soziale Gerechtigkeit und ökologische IntegritĂ€t. Es sind Geschichten von Menschen die in gnadenlos geldgierigen Gesellschaften gescheitert sind, die um ihr Überleben und ihre UnabhĂ€ngigkeit kĂ€mpfen, von Menschen auf der Sinnsuche abseits des auf stetigen Wachstum basierenden Wirtschaftssystems.  

Mit diesen relativ kleinen, begrenzten Aktionen stellen sie bestehende VerhĂ€ltnisse in Frage, wenn nicht gar auf den Kopf. Das ersinnen und leben von Alternativen, abseits von Ideologien ist in der Summe natĂŒrlich gefĂ€hrlich fĂŒr auf Eigennutz und Kontrolle basierenden Gesellschaften und so ist es nicht verwunderlich, solche Visionen als naiv, utopisch und nicht realisierbar abzustempeln und zu verleumden.

Mich haben diese Geschichten sehr berĂŒhrt. Mit den Worten “es geht auch anders” und “willst du so sein wie alle?” bin ich aufgewachsen. Ich habe schon frĂŒh gelernt, nicht alles einfach so hinzunehmen sondern immer darĂŒber nachzudenken, welche Motive und Auswirkungen hinter Aussagen und Vorhaben stecken.
Alles in Frage zustellen macht das Leben nicht unbedingt einfacher, aber reicher, entdeckt man doch so viele Alternativen, die es wert sind zu leben 😉

Wieviel Erde braucht der Mensch?

Vor ein paar Wochen hab ich die gleichnamige Kurzgeschichte von Leo Tolstoi gelesen und seitdem geht mir die Frage, die in diesem Titel steckt, nicht mehr aus dem Sinn.

Die Geschichte erzĂ€hlt von einem Bauern, der zwar ein mĂŒhseliges Leben fĂŒhrt, aber eigentlich sein Auskommen hat. Er belauscht heimlich ein GesprĂ€ch zwischen seiner Frau und deren Schwester, die aus der Stadt zu Besuch beim Bauern weilt. Sie ist schick gekleidet, schwĂ€rmt vom luxeriösen Leben in der Stadt und weckt so den Neid der Schwester. Der Bauer grĂŒbelt, wie er sich und den Seinen zu einem angenehmeren Leben verhelfen kann und der Teufel kommt ihm in Gestalt eines Kaufmanns zu Hilfe. Dieser erzĂ€hlt dem Bauern von einer Gegend, wo er fĂŒr wenig Geld so viel Land kaufen kann, dass er sich nicht mehr sorgen muß. Und so verkauft der Bauer seinen kleinen Hof und zieht mit seiner Familie um. Er kann das neu erworbene Land nun nicht mehr allein bewirtschaften und hat allerlei Ärger mit der Verwaltung, dem Personal und neidischen Nachbarn.
Der Teufel kommt wieder in Gestalt eines Kaufmanns vorbei und erzĂ€hlt ihm von einer Gegend im fernen Baschkirien, wo es soviel Land fĂŒr so wenig Geld gibt, wo die Menschen freundlicher sind und ihn mit offenen Armen empfangen wĂŒrden. Die Bauersfrau ist so gar nicht angetan von der Vorstellung, schon wieder alles aufgeben und umziehen zu mĂŒssen. Sie ist glĂŒcklich und zufrieden mit dem was sie haben. Der Bauer jedoch zieht los um das neue Land zu erkunden. Dort angekommen, geht er einen Handel mit dem DorfĂ€ltesten ein: er kann fĂŒr eine kleine Summe soviel Land erwerben, wie er von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang umlaufen kann. Der Bauer willigt ein und der er startet bei Sonnenaufgang. Es ist ihm unmöglich sich zu beschrĂ€nken und so macht er viele Schlenker um möglichst viel Land zu erwerben. Er erreicht pĂŒnktlich zum Sonnenuntergang und mit letzter Kraft den Ausgangspunkt, fĂ€llt um und stirbt. Sein Knecht beerdigt ihn auf einem StĂŒck Land, so groß wie der Bauern war. Continue reading “Wieviel Erde braucht der Mensch?”

Fitou

Ich habe Zeit verschenkt

Meine Zeit ist mir kostbar, ich ĂŒberlege genau, womit und mit wem ich sie verbringe.
Normalerweise sind meine Tage ziemlich durchgeplant, weil ich meistens dermaßen viel um die Ohren habe, dass ich gar nicht umhin komme, genau zu planen wann ich was mache.
Aber manchmal kommt irgendwas unvorhergesehenes dazwischen. So letzte Woche.
Ein paar HĂ€user entfernt von uns wohnt ein Ă€lteres Ehepaar, beide so Mitte 80. So sind noch recht rĂŒstig und mobil, trotz der vielen kleinen oder grĂ¶ĂŸeren Zipperlein die man in einem solchen Alter wohl hat. Wir haben so ganz netten Kontakt, unterhalten uns hin und wieder ĂŒber das was in der Welt und im Dorf passiert, und als wir ihnen erzĂ€hlten, dass wir nach Jordanien fahren, da waren sie ganz aufgeregt. Denn der Mann wollte da immer hin. Sein ganzes Leben hat er davon getrĂ€umt, die StĂ€tten der Römer und Ausgrabungen der Antike zu sehen. In seiner Jugend hat er eine Rundreise durch Tunesien und Algerien zu den römischen StĂ€tten Nordafrikas gemacht. Viele Jahre spĂ€ter ist er mit seiner Frau nach Rom und Pompeii gereist. Er hat mir davon erzĂ€hlt, als wĂ€re das gerade mal ein, zwei Jahre her.
Seitdem wir aus Jordanien zurĂŒck sind, haben mich beide mehrmals gefragt, wie es denn so war, ob wir viele Fotos gemacht haben, ob wir in Petra waren. Wir haben uns ganz kurz auf dem Weg zum BĂ€cker unterhalten, aber der Mann wollte noch soviel mehr wissen. Also hab ich mir mein iPad geschnappt und habe den beiden unsere Fotos (328!) gezeigt und erzĂ€hlt, was wir erlebt und gesehen haben.
Der Mann kannte sich ganz gut aus mit der antiken und jĂŒngeren Geschichte. Vieles hat er im Fernsehen gesehen und er wollte immer wissen, ob das alles wirklich so aussieht. Die Frau war tief beeindruckt von den Farben und konnte gar nicht glauben, dass Petra und Jerash so gut erhalten sind.
Ich hab 3 Stunden zwischen den beiden gehockt und wir haben völlig die Zeit vergessen.
Die Frau hat sich vielmals entschuldigt, dass sie mir nichts zu trinken oder zu essen angeboten hat, sie hat das völlig vergessen.
Dem Mann standen TrĂ€nen in den Augen, er hat sich so darĂŒber gefreut, dass ich ihn auf eine virtuelle Reise nach Petra mitgenommen habe. Er wollte sein ganzes Leben dahin, hatte niemals wirklich genĂŒgend Geld fĂŒr eine solche Reise und jetzt ist er alt und krank.
Irgendwie hat mich das traurig gemacht.

FĂŒr mich ist es heute relativ einfach die Welt zu bereisen, ich setze mir meine Grenzen selber (und ein paar skrupellose Politiker tun es auch, leider).
Ich hab zwar nicht geschafft, was ich mir fĂŒr den Tag vorgenommen hatten, aber ich hab den beiden Alten eine Freude gemacht.

Meine Arbeit war immer noch da, die hat kein anderer gemacht 😉

P.S.: Ich hab lange ĂŒberlegt, was ich fĂŒr ein Foto auswĂ€hle und habe mich schließlich fĂŒr eine alte Aufnahme aus Fitou entschieden. Leider weiß ich nicht, wann dieses Foto entstanden ist, aber ich mag es, weil es den zentralen Platz des alten Dorfes zeigt und hier so viele Menschen abgebildet sind.