Vom Feiern auf dem Dorf

Sommerzeit ist Festivalzeit hier im Süden. So auch in Fitou. Vergangenen Freitag war Weinfest. Die Appellation d’ origine contrôlée Fitou wurde 1948 gegründet und ist die älteste im Languedoc. Ich dachte mir, dass der 70.Jahrestag ihrer Gründung auf dem diesjährigen Weinfest besonders gewürdigt werden würde.

Ich habe, ehrlich gesagt, nichts besonderes wahrgenommen, es war so wie den letzten drei, vier Jahren auch schon: es gab einen Festumzug, der an die antiken Ursprünge des Weinanbaus hier erinnert, ein paar Musikgruppen, die für Stimmung sorgten, die Präsentation der lokalen Weinmacher, ein VIP Dinner im Schulhof und eines für die non-VIPs im Parking.
Organisiert wurde das alles vom Comité de la Fête und dem VHV, einem Verein Aktivitäten für vorrangig ältere Anwohner organisiert. In beiden Vereinen sind Ortsansässige, oft in Personalunion, aktiv.
Geld ist knapp, wobei die limitierten finanziellen Mittel nicht wirklich Ansporn zu mehr Kreativität sind.

Mir fiel auf, dass sich die Teilnehmer des Weinfests (und ähnlicher Feste) grob in drei Gruppen einteilen lassen: diejenigen, die es organisieren (eine sehr kleine Gruppe), diejenigen, die das Programm konsumieren und diejenigen, die sich ihm verweigern.

Man ahnt es schon, die Anzahl nimmt in der genannten Reihenfolge zu. Die kleinste Gruppe, die Organisatoren, sind teilweise sehr frustriert darüber, dass sie all die Arbeit allein machen, aber nicht die gewünschte Anerkennung von den Einwohnern in Form von Teilnahme erfahren.
Unter denjenigen, die das Programm mehr oder weniger annehmen, befindet sich eine ziemlich große Gruppe von nicht – Franzosen, darunter Menschen, die hier ihren Zweitwohnsitz haben und einen großen Teil ihr Lebenszeit verbringen, als auch solche, die hier ihren festen Wohnsitz haben. Diese Gruppe findet irgendwie immer schnell zusammen und betrachtet solche Feste mit einem gewissen Abstand.
Die meisten stehen dem Treiben durchaus positiv gegenüber, aber nach kurzer Zeit diskutieren sie miteinander was man hier alles verbessern und verändern könnte, schließlich liegt hier so ein Potenzial brach, welches man nur entwickeln müßte.

Ich bin da immer ein wenig hin- und hergerissen: eines Teils geht mir das genauso und ich habe in der Vergangenheit oft versucht, meine Ideen an den Mann/die Frau zu bringen, was natürlich nicht von sofortigem Erfolg gekrönt war.
Andererseits, habe ich vielleicht auch zu viel von diesem Optimierung-, Wachstums-, Verbesserungsglauben in mir und den muß man ja nicht überall ausleben, oder?

Die Ablehnung beginnt meist mit den Worten: “Die Leute hier sind anders, das funktioniert hier nicht so wie in ….”
Aber jeder ist doch irgendwie anders, wäre es denn nicht gut die Ideen und Erfahrungen aller Anwohner zu nutzen, auch derer, die von außerhalb kommen und angeblich nicht verstehen, wie Franzosen ticken? Ab wann darf man denn etwas Neues, Anderes beitragen? Ab wann gehört man denn dazu? Ab der dritten oder vierten Generation?
Wann hört man nicht mehr diesen Satz” Das verstehst du nicht, hier ticken die Uhren anders.”

Wahrscheinlich bin ich zu ungeduldig und übersehe die vielen kleinen Änderungen, die schon vollzogen wurden, auch durch Ideen, die ich vor 5, 6 Jahren mal in die Runde geworfen habe.

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